Berliner Exzellenz-Allianz : „Was hat die Universität eigentlich davon?“

Berlins gemeinsame Bewerbung im Exzellenzwettbewerb: Mitglieder der Freien Universität fragen nach Risiken und Nebenwirkungen

von
Exzellente Perspektive. Die FU wähnt sich nach zwei Exzellenzsiegen in der Berliner pole position.
Exzellente Perspektive. Die FU wähnt sich nach zwei Exzellenzsiegen in der Berliner pole position.Foto: picture alliance / dpa

Die Präsidenten der drei Berliner Unis wollen mit einem gemeinsamen Antrag in den nächsten Exzellenzwettbewerb ziehen – wollen das die Gremien und Fakultäten der Unis auch? Als Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität, am Dienstag den Akademischen Senat (AS) der HU über den präsidialen Beschluss zur Berliner Exzellenz-Allianz informierte, löste das keine Debatte in dem Gremium aus. Auch im AS der TU wurden keine Bedenken geäußert. Die Mitglieder applaudierten sogar kurz, nachdem Präsident Christian Thomsen die von den Präsidenten abgestimmte Erklärung vorgelesen hatte, hießt es aus der TU.
Anders lief es am Mittwoch an der FU. Zwar war unmittelbar vor dem Ende des Semesters kaum die Hälfte der AS-Mitglieder der Einladung zu einer eigens angesetzten Informationsveranstaltung gefolgt. Aber die Anwesenden stellten dem FU-Präsidenten Peter-André Alt viele kritische Fragen. Vielleicht ja, weil die FU sich nach ihrem zweimaligen Exzellenzsieg in der Berliner pole position wähnt: die Humboldt-Unis siegte erst einmal mit ihrem Zukunkftskonzept, die TU gar nicht. Die FU könnte also am ehesten glauben, auch ein drittes Mal im Alleingang erfolgreich zu sein. Vielleicht steckt der FU auch noch das alte Trauma in den Gliedern – ihre existenzielle Bedrohung nach dem Mauerfall – , weshalb sie besonders auf Selbstbehauptung achtet.

"Die Individualität muss bleiben"

FU-Präsident Alt sah jedenfalls mögliche Skepsis voraus. Nachdem er die Entscheidung der Präsidenten bekannt gegeben hatte, rechtfertigte er sie ausführlich. „Wir wollen keine Meta-Ebene schaffen, keine Dächer über Dächern und keine Netzwerke über Netzwerken“, sagte er. „Der Prozess wird nicht dazu führen, dass es am Ende nur noch eine Berliner Universität gibt und wir unsere historisch gewachsene Individualität verlieren. Die Individualität muss bleiben.“
Die Vorzüge einer gemeinsamen Bewerbung sieht Alt in „der Chance der Stärkung unserer Leistungen“. Fünf Bereiche haben die Präsidenten dafür ausersehen: Nachwuchsförderung und Berufungsstrategie, Digitalisierung, Internationalisierung, Wissenstransfer und Gleichstellungsmaßnahmen. „Aber die Abstimmungen werden Mühe machen“, sagte Alt. Die Leitfrage müsse jedenfalls immer lauten: „Was hat die Universität davon?“.
Sie beschäftigt die Mitglieder des AS schon jetzt. Wird die FU im Verbund etwa weniger Exzellenzmittel bekommen als heute?, wurde mehrfach gefragt. Aktuell fließen an die FU jährlich zehn Millionen. Ein Verbund kann sich um höchstens 28 Millionen Euro bewerben. Wer bekommt hier wie viel – zumal ja auch noch die Charité etwas abhaben will? FU-Präsident Alt sagte: „Ich bin sicher, dass wir wieder zehn Millionen Euro erreichen. Das wäre unser Anteil.“ Außerdem sei die Charité ja die medizinische Fakultät von HU und FU. Am Ende müsse der Antrag so klug ausgerichtet sein, dass sich die Frage „meins oder deins“ gar nicht stelle. FU-Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting betonte, die Charité zeichne sich durch Spitzenforschung aus: „Es wäre blöd, wenn wir sie nicht einbeziehen würden.“


Droht nicht aber die Gefahr, dass sich durch die schiere Größe des neuen Verbundes neue organisatorische Schwierigkeiten und Reibungsverluste ergeben?, fragte eine Wissenschaftlerin. Wie schon bei den großen Clustern zu beobachten, könnten immer mehr Verwaltungsstellen geschaffen werden, bald stehe dann „eine große aufgeblasene Servicestruktur“ den Wissenschaftlern gegenüber.

Könnte es neue Reibungsverluste geben?

Alt antwortete, er teile die Sorge, eine „Superstruktur“ könne entstehen. Die FU habe im Zuge ihres ersten Exzellenzkonzepts selbst zu viele Verwaltungsstellen aufgebaut und diese dann wieder zurückgefahren „auf ein gutes Maß“. Die eigenen Erfahrungen müssten in den Verbund einfließen. „Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass es keine Super-Administration gibt.“ Angesichts der Größe der Aufgaben gebe es aber keine Alternative dazu, diese im Verbund anzugehen, besonders beim Thema Digitalisierung. „Es muss gewagt werden, weil wir vieles nicht alleine schaffen.“ Die Unis müssten einander dazu auch ihre Schwächen offenlegen, was nicht allen leicht falle, wie sich bereits zeige. Und sie müssten lernen, die eigenen Stärken mit den anderen zu teilen. Für die FU sei das besonders ihre ausgeprägte Internationalisierung. Viele kleine Unterschiede in den jeweiligen Organisationsstrukturen müssten funktional gestaltet werden. Ein Austausch von Personal in der Verwaltung komme in Frage. „Sollen wir der HU vielleicht unsere Kanzlerin leihen?“, fragte jemand unter den Zuhörern ironisch.
Wie die Governance des Verbundes aussehen soll, ist laut Alt noch offen. „Es wäre vielleicht ein Vergnügen, wenn die Senatssitzungen gemeinsam abgehalten würden“, sagte er und erntete dafür Gelächter.
Der Student Markus Gleich fragte, ob nicht ein Plan B nötig sei, für den Fall, dass der Verbund nach sieben Jahren nicht weiter finanziert wird. Alt antwortete, man dürfe eigentlich gar nicht über den Exit aus der Exzellenz nachdenken: „Denn dann wären wir für lange Zeit weg vom Fenster.“

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben