Berliner Unis : Unterhaken für die Exzellenzstrategie

Die Präsidenten der Berliner Universitäten erklären ihre gemeinsame Exzellenzstrategie. Eine Super-Uni soll nicht dabei herauskommen.

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Alle mitnehmen: die Berliner Unipräsidenten bei der Diskussion an der TU.
Alle mitnehmen: die Berliner Unipräsidenten bei der Diskussion an der TU.Foto: Michael Setzpfandt/TU Berlin

Beim Countdown zum Start der Exzellenzstrategie im kommenden Jahr zählt Berlin schon laut mit. Für die Neuauflage des Spitzenforschungs-Wettbewerbs um die Milliardenförderung von Bund und Ländern mussten die Universitäten Anfang April erste Anträge abgeben. Die Inhalte der potenziellen Berliner Exzellenzcluster bleiben allerdings bis zum September, wenn über die Antragsskizzen entschieden wurde, geheim. Kein Forscherteam, das womöglich mit seiner Skizze durchfällt, soll öffentlich als Verlierer dastehen. Anders handhabt es etwa die Uni Hamburg, wo Präsident Dieter Lenzen kürzlich die skizzierten Projekte vorstellte.

Doch die Freie Universität, die Technische Universität und die Humboldt-Universität laufen sich gleichzeitig für ihren gemeinsamen Antrag auf den Status von Exzellenzunis warm – und der ist nicht so geheim. Die drei Hochschulleitungen geben jetzt in „Campus Dialog“-Veranstaltungen erste Einblicke. Bis Februar 2018 muss die Absichtserklärung für das gemeinsame Konzept der drei großen Unis stehen, wie sie in einem Dreier-Bund den Titel als Exzellenzuniversitäten erringen wollen. Die FU und die HU haben ihn schon, müssen sich aber ebenso wie die TU neu bewerben – im Verbund rechnet man sich die besten Chancen in der bundesweiten Konkurrenz aus. Auf diese Reise wollen die Präsidien möglichst alle Lehrenden, Studierenden und Verwaltungsebenen mitnehmen. Nach der ersten Podiumsdiskussion an der TU sollen weitere an der FU und der HU folgen.

Es soll gemeinsame Studiengänge geben

„Gemeinsame Studiengänge“ werde es geben, verriet TU-Präsident Christian Thomsen jetzt im Lichthof seiner Universität vor rund 80 Interessierten. Und man suche nach neuen Möglichkeiten, „die besten Köpfe nach Berlin zu holen“. Was ihnen geboten werden soll, konkretisierte FU-Präsident Peter-André Alt: Die drei großen Unis wollen sich gemeinsam fit machen für die „Kommunikation im digitalen Zeitalter“ und teure Infrastrukturen wie Hochleistungsrechner gemeinsam anschaffen und nutzen. Außerdem sollten ungewöhnliche Projekte zu „riskanter Forschung“ künftig besser angeschoben werden. Im Verbund wolle man auch „mehr Karriereoptionen“ für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bieten, sagte Alt. Wo das Hausberufungsverbot gilt, erzeugt ein Netzwerk mehrerer Unis und außeruniversitärer Institute neue Wege.

Das gelte auch für den Tenure Track von der Juniorprofessur auf eine ordentliche Professur, ergänzte HU-Präsidentin Sabine Kunst. Sie kündigte neue „Dual Career“-Möglichkeiten an, um forschenden Paaren gemeinsame Angebote in Berlin zu machen. Zudem solle der „Wissenstransfer in die Gesellschaft“ durch den Verbund weiter verbessert werden. Insgesamt gehe es darum, „eine schlaue Servicestruktur“ für die großen Berliner Schlüsselthemen zu schaffen, sagte Alt. Dazu zählten die Mathematik, die Archäologie, die Katalyse, die Bioinformatik und die Digitalisierung.

Nur Berlin und München hätten eine Chance im Verbund

Wie sind die Erfolgsaussichten? Dass Berlin es im Verbund schaffen kann, hat vor wenigen Tagen der Zuschlag für das Deutsche Internet-Institut gezeigt, durch dessen Aufbau 50 Millionen Euro vom Bund in die Hauptstadt fließen. Im Lichthof der TU gaben sich die drei Unichefs, flankiert vom Charité-Vorstand Karl Max Einhäupl, zuversichtlich. Schon in der ersten Runde der Exzellenzinitiative 2005/6 hätten die internationalen Gutachter immer gefragt: „Warum macht ihr nicht mehr zusammen?“, erinnerte sich Einhäupl. Bundesweit hätten überhaupt nur zwei Städte eine realistische Chance, im Verbund erfolgreich zu sein: Berlin und München. „Dass das in München nicht passiert, hat historische Gründe und hat auch mit den Personen zu tun.“

Und Berlin? Tritt die Stadt etwa als „Beutegemeinschaft“ im Kampf um ein möglichst großes Stück vom Exzellenzkuchen an, wird Sabine Kunst auf dem Podium gefragt. „Genau das meinen wir nicht“, sagte die HU-Präsidentin. Für FU-Präsident Peter-André Alt ist der Verbund „die konsequente Fortsetzung von Kooperationsformen der letzten zehn Jahre“.

Von der Beutegemeinschaft zum Mehrwert

Volker Mehrmann, langjähriger Sprecher des Forschungszentrums Matheon, in dem die drei Unis seit 2002 eng kooperieren, erklärte, wie aus der Beutegemeinschaft ein Mehrwert für die Wissenschaft wird: Viele hätten am reichen Geldsegen teilhaben wollen, mitmachen durften aber nur diejenigen, die sich aus ihrer Fachwelt hinausbegeben und sich als Mathematiker mit Physikern und Technikern auf interdisziplinäre Projekte eingelassen haben. Hinzu kommt die Internationalität auf allen Levels – von den Studierenden bis zu den Spitzenforschern. Heute könne das Matheon, das inzwischen als Einstein-Zentrum ECMath weitergeführt wird, mit Berkeley, Cambridge und Oxford konkurrieren.

Gemeinsame Studiengänge und Karrierewege für den Nachwuchs – sollte man da nicht gleich eine „Berliner Super-Uni“ gründen, will am Ende ein Informatiker aus dem Publikum wissen. Vorher hatte der TU-Chemiker Matthias Drieß, der das TU-Exzellenzcluster UniCat leitet, geschwärmt, wie in so einem großen Forschungsverbund die Unigrenzen überwunden werden. „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsame Berufungen machen und dass dann gar nicht mehr klar sein wird, wer eigentlich von welcher Uni kam“, sagte Drieß. Ihm gehe das heute schon so, er fühle sich als „UniCat-Professor“.

"Große Institutionen sind kontraproduktiv"

Doch FU-Präsident Alt warnte vor der Fusion der drei Unis unter einem Dach, sie würde zwangsläufig „zur Verkleinerung führen“ und wäre „ein Verlust an Diversität und Wahlmöglichkeiten“. Und auch Matthias Drieß wollte mit seinem Plädoyer nicht die Fusion gemeint haben. „Das ist eine Idee für Politiker, wir Wissenschaftler brauchen das Logo ,Super-Uni’ nicht.“

Charité-Chef Einhäupl erklärte zwar, heute müssten Grenzen „institutionell überwunden“ werden, um wissenschaftliche Probleme zu lösen. „Aber nicht, indem wir eine große Institution bilden, das wäre kontraproduktiv.“ Als Berliner Motto für die kommenden, entscheidenden Monate in der Exzellenzstrategie gibt Einhäupl dann aus: „Identität erhalten und unterhaken und sagen, wir machen es gemeinsam.“

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