Berliner Wissenschaftler : Wegbereiter der Farbfotografie

Vor 150 Jahren wurde Adolf Miethe geboren. Er entwickelte ein Verfahren, um Fotografien in "Naturfarben" wiederzugeben. Mit der Herstellung von Gold hatte er jedoch weniger Glück.

Andreas Hentschel
Adolf Miethe (1882-1927).
Adolf Miethe (1882-1927).Foto: Archiv AH

Sie sind längst gefragte Sammlerstücke: die einst in Berlin produzierten farbigen Postkarten nach dem „System Miethe“. Sie sind Zeugnisse für die frühe Anwendung der naturgetreuen Farbfotografie, die Adolf Miethe maßgeblich vorangetrieben hat. Der am 25. April 1862, also morgen vor 150 Jahren, geborene Sohn eines Potsdamer Schokoladenfabrikanten hatte nach der Reifeprüfung in Berlin Astronomie, Mathematik und Physik studiert. Nach seiner Promotion in Göttingen kehrte Miethe nach Berlin zurück und wurde 1889 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der optisch-mechanischen Werkstatt von Edmund Hartnack.

Ihm gelang die Konstruktion des „ersten Anastigmaten“, also eines Objektivs für Fotoapparate, welches die durch die Glasbrechung bedingten Abbildungsfehler korrigierte. Später erhielt er weitere Patente in der Optik, darunter 1891 auf das erste wirklich brauchbare Teleobjektiv.

Mit seinen Arbeiten hatte Miethe maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Fotografie und der entsprechenden Industrie in Deutschland. 1899 wurde er schließlich auf den Lehrstuhl für Photochemie an der Technischen Hochschule Charlottenburg (der heutigen TU Berlin) berufen. Dort trieb er unter anderem sein Verfahren zur Wiedergabe von Fotografien in „Naturfarben“ voran.

Das geschah zwar noch in recht komplizierten Abläufen, doch erzielte man damit für die damalige Zeit außerordentlich naturgetreue Bilder. Sie wurden beispielsweise von der Kölner Firma Stollwerck genutzt, die ihren Schokoladen 1904 erstmals Sammelbilder in „Naturfarben“ hinzufügte, aus denen das Album „Aus Deutschlands Gauen“ zusammengestellt werden konnte – das erste in Deutschland hergestellte größere Druckwerk mit Farbfotos.

Weniger Glück hatte Miethe mit der angeblichen Herstellung von Gold. Er behauptete, das Edelmetall in geringen Mengen hergestellt zu haben, indem er Quecksilberatome zum Zerfall gebracht habe. Die Meldung erregte weltweites Aufsehen, und in populären Medien geriet Miethe zum Alchemisten des 20. Jahrhunderts. Erst nach seinem Tod am 5. Mai 1927 wurde offenbar, dass der Wissenschaftler einem Irrtum erlegen war. Der Chemiker und Nobelpreisträger Fritz Haber stellte abschließend fest: „Die Goldmengen, die uns anfangs als Bestätigung der Angaben von Miethe … erschienen, haben sich im Laufe längerer Untersuchungen nicht vermehren lassen und sind als Verunreinigungen aufgeklärt worden, die aus den verwendeten Elektroden stammten.“

Weitere Informationen über den Berliner Wissenschaftler finden sich in dem soeben erschienen Buch

Adolf Miethe: Lebenserinnerungen, hg.v. H. Seibt, Harri Deutsch Verlag 2012, 350 S. ISBN 3817118910  32,80 € 

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