• Betrug beim Doktor: Umstrittener Professor startet Kampagne gegen Plagiate von Politikern

Betrug beim Doktor : Umstrittener Professor startet Kampagne gegen Plagiate von Politikern

Ein kurioses Ranking soll die Plagiatsdebatte befeuern: Im August will Uwe Kamenz, Professor an der Fachhochschule Dortmund, in einer Rangliste verdächtige Dissertationen aller promovierten Kandidaten für den Bundestag veröffentlichen.

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Die frühere Bundesministerin für Bildung, Annette Schavan (links).
Die frühere Bundesministerin für Bildung, Annette Schavan (links).Foto: dpa

Ein kurioses Ranking soll die Plagiatsdebatte befeuern: Im August will Uwe Kamenz, Professor an der Fachhochschule Dortmund, in einer Rangliste verdächtige Dissertationen aller Kandidaten für den Bundestag veröffentlichen. Damit solle vor der Wahl „der mediale Druck auf die Bundestagsmitglieder erhöht werden, endlich den Massenbetrug an den Hochschulen abzuschaffen“, schreibt Kamenz in einer Pressemitteilung. Es sei damit zu rechnen, dass bei etwa 20 Politikern „deutliche Plagiatsindizien“ zu finden seien. Diesen Indizien müssten die Unis nachgehen. Der BWL-Professor ruft die „Wählerinnen und Wähler“ auf, ihn mit Informationen und Geld zu unterstützen.

Kamenz ist in der Plagiatsjägerszene und an Universitäten kein Unbekannter und durchaus umstritten. Der Mitautor des Buches „Professor Untat. Was faul ist hinter den Hochschulkulissen“ (2007) kündigte im Jahr 2011 sein Projekt „Plagiatfreies Deutschland“ an. Er wolle 200 000 Arbeiten überprüfen. An seinem privaten „Institut für Internet-Marketing“ „ProfNet“ in Münster richtete Kamenz einen „ProfNet Hochschulservice“ ein. „Mindestens 1000“ Politiker-Dissertationen wollte er in dem Projekt „PolDiss“ zusätzlich untersuchen lassen. Von 587 angeschriebenen Politikern, die Kamenz bat, ihm ihre Dissertationen zur Verfügung zu stellen, hätten aber nur 114 reagiert, klagt Kamenz, nur 14 hätten ihre Dissertationen übermittelt. Auch hätten Wissenschaftsministerien „Maßnahmen zur Abschaffung der Plagiate an den Hochschulen“ ihm gegenüber abgelehnt. Das aktuelle Projekt „PolDiss Bundestagswahl 2013“ solle neuen Druck aufbauen.

Hochschulen hat Kamenz seine Dienste gegen Geld angeboten. Norbert Robers, der Sprecher der Uni Münster, erklärt, seine Uni nehme das Thema Plagiate „sehr ernst“. Doch habe Kamenz’ Angebot „Unterstellungen über angebliche Plagiatsquoten enthalten“. Seine Hilfsangebote hätten „daher ebenfalls unseriös“ gewirkt: Seine Kampagne sei offenbar „vorrangig wirtschaftlich motiviert.“

Dass er geschäftliche Interessen verfolgt, weist Kamenz zurück. Ihm gehe es darum, Plagiate abzuschaffen, sagt er auf Nachfrage. In seinem Institut unterstützten ihn nur zwei freie Mitarbeiter, ein Programmierer und eine Studentin, die Texte einscanne: „Die Hauptarbeit macht der Computer“, sagt Kamenz. Hätte er noch zwei Mitarbeiter, „gäbe es in Deutschland keine Plagiate mehr“. Darum bitte er nun um Spenden oder ehrenamtliche Hilfe.

Debora Weber-Wulff, Informatik-Professorin in Berlin und Mitarbeiterin bei „Vroniplag“, hält Kamenz’ Methoden ebenfalls für „wenig seriös“. Politiker dürften nicht aufgrund von Indizien öffentlich verdächtigt werden. Mit Software könne ohnehin kein einziges Plagiat entdeckt werden, sondern nur Textähnlichkeiten. Hinzu komme, dass Kamenz offenbar technische Schwierigkeiten habe. So seien in dem „Prüfbericht“ über die Dissertation von Annette Schavan, den er mit Datum vom 22. April im Internet präsentiert, zahlreiche Fehler. Mehrfach seien Passagen als Plagiate ausgewiesen worden, in denen Schavan ihre Quelle korrekt nachgewiesen habe.