Bilanz des DAAD : Tausende Flüchtlinge an deutschen Unis

Mehrere tausend Geflüchtete haben Vorbereitungskurse an deutschen Hochschulen belegt. Das ergibt eine Bilanz des DAAD. Auch deutsche Unis im Ausland lassen viele Geflüchtete zu.

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Bevor Flüchtlinge an die Unis können, müssen sie Deutschkurse besuchen.
Bevor Flüchtlinge an die Unis können, müssen sie Deutschkurse besuchen.Foto: Carmen Jaspersen/dpa

6600 Geflüchtete haben in den vergangenen rund anderthalb Jahren an Studienkollegs oder studienvorbereitenden Kursen an deutschen Hochschulen teilgenommen. „Die Hochschulen engagieren sich stark für Geflüchtete“, sagte Dorothea Rüland, Generalsekretärin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der die Kurse koordiniert, am Dienstag in Berlin. Zusätzlich hätten sich 450 zumeist studentische Initiativen gegründet, um sich um Flüchtlinge auch jenseits der Hochschulen zu kümmern. Das Bundesbildungsministerium fördert die Programme seit Ende 2015 mit insgesamt 100 Millionen Euro über vier Jahre.

Wie viele Geflüchtete es bereits in ein Regelstudium geschafft haben, sei allerdings schwierig zu beziffern, sagte Rüland. Da der Status „Flüchtling“ bei der Immatrikulation für ein Regelstudium nicht erfasst wird, sei man auf Schätzungen angewiesen. Rüland verwies auf eine Umfrage der Hochschulrektorenkonferenz, nach der die Zahl stark steige. Tatsächlich hatte die HRK im April erklärt, 1140 Geflüchtete seien in einem Studium eingeschrieben, fünfmal mehr als im Sommersemester 2016. Rüland sagte, dass der Übergang ins Studium oft länger dauert als erwartet. Das liege teils an bürokratischen Problemen bei der Registrierung der Flüchtlinge oder daran, dass mehr Zeit fürs Deutschlernen gebraucht wird.

Die Türkisch-Deutsche Uni entwickelt sich "erstaunlich gut"

Rüland hob wie DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel auch die Leistungen der Deutschen Hochschulen im Nahen Osten bei der Aufnahme von Flüchtlingen hervor. Viele würden an die Deutsch-Jordanische Universität in Amman, an die German University in Kairo, die Türkisch-Deutsche Universität in Istanbul und an die Außenstelle der TU Berlin in El Gouna gehen. Die Deutsch-Jordanische Universität koordiniere inzwischen die Verteilung von Geflüchteten auf die Hochschulen ganz Jordaniens.

Nun machte die TDU vor allem Schlagzeilen, weil sie wie alle türkischen Unis von den massiven Eingriffen des Erdogan-Regimes in die Wissenschaftsfreiheit betroffen war. „Wir haben nicht sehr viele Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen“, gab Wintermantel zu. Laut Rüland entwickele sich die TDU dennoch „erstaunlich gut“. Inzwischen seien 900 Studierende eingeschrieben, aus Deutschland seien immerhin 30 Dozenten vor Ort, „auch wenn wir gerne mehr hätten“. In den Rankings stehe die TDU oft an der Spitze. Auch könne die Uni politisch kritische Themen anbieten, die Juristen machten etwa Kurse zum Ausnahmezustand.

Was die Aktivitäten des DAAD insgesamt angeht, zog Präsidentin Wintermantel eine positive Bilanz für 2016. Man habe mehr Personen gefördert: 75 475, die aus Deutschland ins Ausland gehen, und 55 754, die den umgekehrten Weg nahmen. Wintermantel forderte eine Aufstockung der DAAD-Mittel. Stipendien müssten dringend besser dotiert werden: Länder wie China oder auch der Iran würden Stipendiaten aus dem Ausland inzwischen mehr zahlen als Deutschland.

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