Biologie des Abnehmens : So faul wie möglich

Ob im Fitnessstudio, beim Joggen oder Marathon - Sport verbrennt Energie und soll überflüssige Pfunde verschwinden lassen. Doch das eigene Hirn arbeitet dagegen an.

Wer sich die Kalorien vom Leib zu rennen versucht, läuft dem Bestreben des eigenen Körpers entgegen, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.
Wer sich die Kalorien vom Leib zu rennen versucht, läuft dem Bestreben des eigenen Körpers entgegen, so wenig Energie wie möglich...Foto: Imago

Während man sich im Fitnessstudio abmüht, um Kalorien zu verbrennen, arbeitet das eigene Nervensystem dagegen an. Denn der menschliche Körper versucht sich immer mit dem geringsten Energieaufwand fortzubewegen, zeigen Forscher im Fachblatt „Current Biology“. Auf ungewohnte Bewegungen stellt sich das Nervensystem zügig ein und wählt die Variante mit dem niedrigsten Kalorienverbrauch. „Man muss schlau sein, um so faul zu sein“, sagt Jessica Selinger von der Simon-Fraser-Universität in Kanada.

Das Nervensystem justiert den Energiesparmodus ständig nach

Jeder Mensch bewegt sich nach einem für ihn vorteilhaften Muster. Selinger und ihre Kollegen schickten also Probanden auf ein Laufband. Dabei filmten sie die Bewegungsabläufe und maßen den Kalorienverbrauch. Dann steckten die Forscher die Teilnehmer in Beinschienen, um sie aus ihrer bevorzugten Gangart zu zwingen. Sie mussten Frequenz und Länge ihrer Schritte ändern. Schon nach wenigen Minuten hatten sich die Probanden angepasst und einen persönlichen Energiesparmodus gefunden – auch wenn sie nur wenige Kalorien sparten.

„Den Energieverbrauch so schnell und exakt wahrzunehmen und zu optimieren, ist ein eindrucksvolles Kunststück unseres Nervensystems“, sagt Selinger. Als Nächstes will das Team deshalb der Frage nachgehen, wie der menschliche Körper den Energieverbrauch misst und mit den einzelnen Facetten der Bewegungsabläufe in Zusammenhang bringt. „Zum Gehen müssen buchstäblich zehntausende muskuläre Bewegungseinheiten koordiniert werden“, sagt Koautor Max Donelan. „Wie sind wir in der Lage, die optimalen Kombinationen so dermaßen schnell zu finden?“ (dpa)

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