Botschaft aus dem Jenseits : Der tote Lachs im Hirnscanner

Wie Forscher mit einem Versuch die Grenzen der Hirnforschung zeigten.

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Lachs für die Forschung
Lachs für die ForschungFoto: picture-alliance/ dpa

Es war eine ungewöhnliche Umgebung für einen Fisch, so ganz ohne Wasser. Dafür donnerte der Magnet des Hirnscanners vor sich hin. Forscher zeigten dem Lachs eine Fotoserie von Menschen in verschiedenen sozialen Situationen. Sie fragten ihn, wie sich die abgebildete Person in dem Moment wohl fühlte, und zeichneten auf, was sich dabei in seinem Gehirn tat. Auf den Bildern, die der funktionelle Magnetresonanztomograf erzeugte, war später ein Leuchten an zwei Stellen des Fischhirns erkennbar. Es gab nur ein Problem: Der Lachs war längst tot. Die Forscher hatten ihn im Supermarkt gekauft.

Das klingt nach absurder Wissenschaft, hat aber einen ernsten Hintergrund. Das Team um den Psychologen George Wolford vom Dartmouth College wollte zeigen, dass hinter den scheinbar so eindeutigen Bildern aus dem Scanner derart viele statistische Berechnungen stehen, dass fast immer irgendeine interessante Hirnaktivität zu finden ist – auch bei einem toten Fisch. Denn um zu sehen, welche Bereiche (Voxel) „aktiviert“ sind, sind abertausende Vergleiche nötig, die dann korrigiert werden.

Die Forscher gewannen den IgNobel-Preis, den die Zeitschrift „Annals of Improbable Research“ vergibt. Das ist seit 2012 Geschichte. Aber der tote Lachs stieß eine Diskussion an, die andauert.

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