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Brain Initiative : Millionen Dollar für die Kartierung des Gehirns

04.04.2013 00:00 Uhrvon
Mammutprojekt. Allein im Jahr 2014 will die amerikanische Regierung mehr als 100 Millionen Dollar in die Erforschung des Gehirns investieren.Bild vergrößern
Mammutprojekt. Allein im Jahr 2014 will die amerikanische Regierung mehr als 100 Millionen Dollar in die Erforschung des Gehirns investieren. - Foto: Reuters

Bisher weiß man wenig darüber, wie das Zusammenspiel von Milliarden Nervenzellen in unserem Gehirn funktioniert. US-Präsident Barack Obama will das mit einem Mammutprojekt ändern.

„Stellen Sie sich vor, dass keine Familie hilflos zusehen muss, wie ein Angehöriger hinter der Maske von Parkinson verschwindet oder mit Epilepsie kämpfen muss!“ Der Mann, der diese Vision heraufbeschwört, ist kein Neurowissenschaftler, sondern Politiker. Genauer: US-Präsident Barack Obama. Am Dienstag hat er in Washington seine „Brain Initiative“ vorgestellt.

Damit Forscher die Aktivität von Milliarden Nervenzellen im Gehirn besser nachvollziehen können, sollen die amerikanischen Steuerzahler mehr als 100 Millionen Dollar allein im Haushaltsjahr 2014 aufbringen. Denn trotz des Hypes steckt die Neurowissenschaft in den Kinderschuhen, ihr Handwerkzeug ist entweder zu stumpf oder zu spitz. Vergleicht man das Feuern der Nervenzellen mit einem Film, so liefert ein Hirnscanner eine Reihe äußerst unscharfer Standbilder. Die Messungen einzelner Neuronen dagegen ergeben zwar eher einen Film. Allerdings sieht man dabei höchstens ein Pixel des gesamten Bildes. Verhaltensweisen, psychische Erkrankungen oder das Bewusstsein lassen sich so nur schwer erklären. Den vollständigen Film soll nun die „Brain Activity Map“ aufnehmen – also die Aktivität aller Nervenzellen eines Lebewesens über einen bestimmten Zeitraum. Mit neuen Werkzeugen

2014 soll es dafür 50 Millionen Dollar aus dem Militärforschungsbudget von Darpa geben, 40 Millionen Dollar aus dem Topf der Nationalen Gesundheitsinstitute NIH, und 20 Millionen Dollar will die National Science Foundation investieren. Stiftungen wie das Allen Institute verpflichteten sich, 60 Millionen Dollar jährlich zur Verfügung zu stellen, das Howard Hughes Medical Institute 30 Millionen jährlich, die Kavli Foundation vier Millionen für zehn Jahre.

Weitere Stiftungen, Firmen und Universitäten sollen folgen – denn die Finanzierung im Haushalt 2014 kann nur der Anfang sein. Rafael Yuste, Neurowissenschaftler an der Columbia-Universität in New York und einer der Architekten der „Brain Activity Map“, schätzt, dass das Projekt deutlich länger als zehn Jahre Zeit braucht. „Uns geht es um neue Werkzeuge, um bessere Daten. Wir wollen Infrastruktur bauen. Neue Straßen in einem Land, das wir gern genauer erkunden würden.“ Im ersten Jahr müssen zunächst ein genaues Ziel und der Weg dorthin definiert werden. Beides ist weniger klar als bei der Kartierung des menschlichen Erbguts, dem Mammutprojekt, mit dem Obama die „Brain Initiative“ vergleicht.

Umso enthusiastischer pries Obama das Projekt an: „Stellen Sie sich vor, dass man mit einer Prothese Klavier oder Basketball spielen kann!“ Die Patienten sind nicht sein einziges Argument. Ideen machten Amerika aus: „Wir sind eine Nation der Träumer. Menschen, die ein Risiko eingehen.“ Das Projekt könne wie das Humangenomprojekt die Wirtschaft beflügeln und Jobs schaffen. „Ich ziehe meinen Hut vor dem Präsidenten“, sagte Francis Collins, der Direktor der Nationalen Gesundheitsinstitute. „Wir wollen eine Basis schaffen, mit der wir das Gehirn so gut verstehen können, wie wir uns das wünschen.“

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