Charité und Max-Delbrück-Centrum Berlin : Streit um das Gutachten zum BIG

War das Gutachten zur Fusion der klinischen Forschung von Charité und Max-Delbrück-Centrums wirklich so positiv, wie es eine Kurzfassung suggeriert? Die SPD wirft der Regierung Geheimhaltung vor - und verlangt Einsicht ins Original.

von
Laborant arbeitet mit Blutproben.
Zukunfts-Labor. Das BIG soll dazu beitragen, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schneller in die klinische Praxis zu...Foto: dpa

Die Gutachter waren offenbar voll des Lobes über das neue Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG), in dem die Forschung der Berliner Charité und des Max-Delbrück-Centrums fusioniert werden sollen. Das BIG sei eine „große, einzigartige Chance für die Medizin“, international gebe es nur wenige solcher Einrichtungen. Die Gutachter seien „beeindruckt von der klaren strategischen und wissenschaftlichen Führung“. So steht es zumindest in einer fünfseitigen Zusammenfassung der Expertise, die im Juni der Forschungsausschuss des Bundestags erhielt. Erstellt wurde sie vom Bundesforschungsministerium (BMBF). Das BMBF will viel Geld für das BIG ausgeben – es ist ein Pilotprojekt, wie sich der Bund finanziell an Unis beteiligen kann.

Das Gutachten war für das BIG ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gründung im Juni. Doch fasst die Kurzform die Wertung tatsächlich angemessen zusammen? Bisher wissen das offenbar nur wenige Eingeweihte. Denn das gesamte Gutachten genauso wie das Forschungskonzept für das BIG hält die Regierung unter Verschluss. Das jedenfalls wirft die SPD Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) vor.

„Das Ministerium weigert sich, dem Bundestag die Papiere in voller Länge zur Verfügung zu stellen“, sagt René Röspel, stellvertretender forschungspolitischer Sprecher der SPD- Fraktion. Röspel hat jetzt Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz beantragt. Es könne nicht sein, dass Parlamentarier als „Haushaltsgesetzgeber kein Anrecht darauf haben, in Gutachten für solche Großprojekte Einsicht zu erhalten“. Immerhin werde der Steuerzahler bis 2018 mehr als 300 Millionen Euro für das BIG ausgeben.

Kritik klingt schon in der Kurzfassung an

Röspel vermutet, das Gutachten sei weniger schmeichelhaft, als die Kurzform suggeriere: „Spricht man mit Eingeweihten, bekommt man den Eindruck, dass das Gutachten deutlich kritischer ausfällt, als das Ministerium zugibt.“ In der Synopse findet sich immerhin ein Satz, der auf Kritik schließen lässt. Die Gutachter „appellieren an die Leitung, die Mittelverteilung merklich zu überarbeiten und damit den klinischen Forschungseinheiten höchste Priorität zu geben“. Sollten die Gutachter ausgerechnet fehlende klinische Gruppen bemängeln, wäre das heikel. Das BIG soll auch dazu beitragen, aus Grundlagenforschung schneller in der Klinik nutzbare Therapien zu machen.

BIG-Chef Rietschel: nichts vorenthalten

Ernst Theodor Rietschel, Vorstandsvorsitzender des BIG, ist von dem Vorgang überrascht. Es sei zwar richtig, wenn Gutachten vertraulich behandelt würden. „In dem Gutachten steht aber auch nichts, was man Abgeordneten vorenthalten müsste.“ Er halte das Ergebnis für „außerordentlich positiv“. Es habe aber auch eine „ganze Reihe von Hinweisen“ gegeben: „Deswegen holt man sich die Gutachter ja.“ Tatsächlich würden jetzt klinische Gruppen früher als zunächst geplant eingerichtet. Das BMBF begründete sein Vorgehen auf Anfrage mit „vertraulichen Voten der Gutachter, die nur für die Zuwendungsgeber und den BIG-Vorstand vorgesehen sind“. Ohne Vertraulichkeit könnten kaum Gutachter gewonnen werden, die sich kritisch äußern. Die Anfrage Röspels werde geprüft.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben