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CO2-Gehalt in der Atmosphäre : Pause bei der Erderwärmung bringt Forscher in Erklärungsnot

Die Temperatur an der Erdoberfläche stagniert seit Jahren, trotz steigenden Kohlendioxidgehalts. Eine schlüssige Erklärung fehlt nach wie vor. Das weckt Zweifel an den Klimamodellen. Ein Kommentar.

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Der Pegel steigt. Manila wappnet sich gegen Überschwemmungen, die der Taifun Rammasun im Juli mit sich brachte. Es gilt als sehr sicher, dass infolge der Erderwärmung der Meersspiegel weiter steigt und damit die Gefahr für Flutkatastrophen. In der Frage, wie sich das Klima im Detail verändert, gibt es jedoch noch einige Unsicherheiten.
Der Pegel steigt. Manila wappnet sich gegen Überschwemmungen, die der Taifun Rammasun im Juli mit sich brachte. Es gilt als sehr...Foto: AFP

Anfangs, um die Jahrtausendwende, war es noch eine kleine Ungereimtheit, ließ es sich als statistisches Zappeln abtun. Doch von Jahr zu Jahr wurde die Diskrepanz größer und mittlerweile ist sie eines der größten Rätsel der Klimaforschung: Während der Gehalt von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre weiter steigt, nimmt die Temperatur an der Erdoberfläche kaum zu. Ungewohnt flach ist die Messkurve und nach anderthalb Jahrzehnten lang genug, um von Klimaskeptikern wie eine Trophäe herumgezeigt zu werden. „Wo ist die Erderwärmung?“, fragen sie und schließen sogleich, dass der menschgemachte CO2-Ausstoß von jeglicher Schuld freizusprechen sei.

Das ist natürlich Unsinn, ein steigender Kohlendioxidgehalt führt zu höheren Temperaturen. Das zeigen Diagramme, die nicht erst 1998 beginnen, sondern 1958, als die täglichen Kohlendioxidmessungen auf dem Mauna Loa starteten, oder noch ein paar Jahrzehnte früher. Darauf ist klar zu erkennen, dass CO2-Gehalt und globale Durchschnittstemperatur – beides zittrige Kurven – gemeinsam nach oben streben.

Viele Erklärungsversuche

Dennoch bringt die gegenwärtige Pause bei der Erwärmung die Forscher in Erklärungsnot. Bis vor wenigen Jahren haben die allermeisten ihrer Modellrechnungen diese lange Pause nicht angezeigt. Sie hat die Wissenschaftler kalt erwischt, wenn man so will. Wie sie zustande kommt, kann keiner genau sagen, trotz zahlreicher Publikationen, die nahezu im Wochentakt erscheinen.

Vulkanausbrüche, die mit ihren Schwefelemissionen kühlend wirken, wurden ebenso diskutiert wie die Abgase chinesischer Kohlekraftwerke. Andere Studien zielen auf die Weltmeere ab, die ohnehin den Löwenanteil der globalen Wärme aufnehmen und nun auch die „missing heat“, die fehlende Hitze, geschluckt haben sollen. Dabei galt vor allem der Pazifik als mutmaßliches Versteck, bis vor kurzem im renommierten Fachblatt „Science“ der Atlantik als Lösung des Wärmeproblems präsentiert wurde. „Wir haben die fehlende Hitze gefunden“, triumphiert dort der Studienleiter Ka-Kit Tung von der Universität von Washington in Seattle. Gewaltige Strömungen hätten viel warmes Wasser in die Tiefe gebracht, so dass es oben relativ kühl blieb.

Offenbar wurden langfristige Klimaschwankungen unterschätzt

Tung beruft sich auf konkrete Messungen von Temperatur und Salzgehalt aus den Tiefen der Meere. Sie erlauben es, den Wärmetransport weit unter der Oberfläche nachzuvollziehen, was bisher aufgrund fehlender Messgeräte nur grob geschätzt werden konnte. Trotzdem sind die neuen Daten weder räumlich noch zeitlich so umfassend, dass wirklich von einer Lösung die Rede sein kann. Es wird noch lange dauern, bis Forscher die Erwärmungspause schlüssig erklären können.

Einmal mehr stellt sich die Frage, inwieweit den Klimamodellen zu trauen ist. Offensichtlich haben sie die Rolle des CO2 überschätzt oder die Wirkung langfristiger natürlicher Klimaschwankungen unterschätzt beziehungsweise falsch abgebildet. Damit ist nicht gesagt, dass die Modelle völlig unnütz sind, dass sie von Zufallsgeneratoren letztlich nicht zu unterscheiden wären. Dafür stecken zu viele Daten und Erkenntnisse darin, die die Richtung weisen. Doch zeigen die abweichenden Resultate, dass noch einige Fehler im System sind. Entsprechend ungenau sind die Prognosen, vor allem wenn es um Details geht.

Wider Erwarten dehnt sich das Eis um die Antarktis aus

Am langfristigen Trend – wenn der Kohlendioxidausstoß weitergeht, wird es wärmer und der Meeresspiegel steigt – wird sich kaum etwas ändern. Denn die natürlichen Klimaschwankungen, die erst nach und nach aufgeklärt werden und wahrscheinlich auch bei der aktuellen Erwärmungspause eine Rolle spielen, sind zyklisch. Das heißt, sie arbeiten eine Zeit lang gegen die menschgemachte Erwärmung, um nach einigen Jahrzehnten zu kippen und die Temperaturen umso mehr anzutreiben. Darum ist es sinnvoll, die Emissionen zu verringern und sich auf steigende Pegel vorzubereiten.

Anders verhält es sich bei scheinbar konkreten Aussagen darüber, wie sich das Klima in einer bestimmten Region entwickelt, und das am besten noch in den nächsten Jahrzehnten. Dort ist eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Das zeigen etwa das antarktische Meereis, das sich wider Erwarten immer weiter ausbreitet, oder die kalten Winter in Mitteleuropa, die doch eigentlich der Vergangenheit angehören sollten.

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