Wissen : Computer findet Ursprachen Automatische Analyse soll Linguisten entlasten

Seit dem 18. Jahrhundert befassen sich Sprachwissenschaftler mit der Rekonstruktion jener Ursprachen, die unseren modernen Sprachen zugrunde liegen. Weil von diesen „Protosprachen“ häufig keine schriftlichen Überlieferungen existieren, war die Suche nach diesen Sprachfamilien bisher sehr aufwendig. Kanadischen Forschern ist es nun gelungen, ein automatisiertes System zur Wiederherstellung von Sprachen zu entwickeln. Sie berichten davon im Fachblatt „PNAS“.

Das Herleiten von Protosprachen sei nicht nur aus sprachhistorischer Sicht interessant, sagt der Hauptautor Alexandre Bouchard-Côté von der Universität British Columbia. Zudem ließen sich viele Aspekte der prähistorischen Gesellschaften erhellen, etwa Migrationsbewegungen und das technologische Niveau. Bei dem von ihm vorgestellten Verfahren vergleicht ein Computeralgorithmus Laute und Wörter heutiger miteinander verwandter Sprachen, um deren gemeinsame Urform zu rekonstruieren.

Mithilfe statistischer Modelle macht das System zunächst Lautverschiebungen bei den modernen Sprachen auf dem Niveau der kleinsten phonetischen Einheiten nachvollziehbar. Durch die Untersuchung der Schreibweise von Lauten zu verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte steht dann ein Modell zur Verfügung, das Auskunft über die Art der Lautveränderungen geben kann. „Dadurch können wir schnell verschiedene theoretisch verwandte Wortgruppen miteinander vergleichen und die verwandten Sprachen herleiten“, sagen die Forscher.

Für ihre Studie nutzten sie einen Bestand von mehr als 142 000 Wörtern aus 637 modernen Sprachen Südostasiens. Ein manueller Vergleich von Wörtern dieser Einzelsprachen wäre ein extrem langwieriges Unterfangen, mit dem computerbasierten Verfahren jedoch ließ sich innerhalb kurzer Zeit ein ganzer Satz aus Protosprachen rekonstruieren. wsa

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