Demenz : Fällt die Alzheimer-Epidemie aus?

Angeblich verdoppelt sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 auf drei Millionen. Neue Studien säen jedoch Zweifel an dieser Prognose. Ein Kommentar

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Unvollständiges Bild. Ein Puzzle mit einem Foto des Gehirns, von dem ein Teil fehlt.
Nicht mehr vollständig. Eine Demenz ist Folge von Zerstörungen im Gehirn.Foto: Imago

Alzheimer und andere Formen von Demenz (geistigem Verfall) sind nicht ansteckend. Dennoch ist ständig von einer „Epidemie“ die Rede, etwa in den Verlautbarungen der Organisation „Alzheimer’s Disease International“. Das soll heißen, dass immer mehr Menschen erkranken und die Zahl der Dementen wie bei einer Grippe-Epidemie rasch ansteigt. Bei uns verbreitet vor allem die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft diese Botschaft. In ihrer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme heißt es, die Zahl der Demenzerkrankungen werde von heute 1,5 Millionen auf drei Millionen im Jahr 2050 steigen, wenn es keinen revolutionären Durchbruch bei der Behandlung gibt. Und danach sieht es nicht aus.

Prognosen sind unsicher, weil sie die Zukunft betreffen. Zuverlässiger sind wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit tatsächlichen Entwicklungen beschäftigen. Sie zeichnen für Europa ein anderes Bild. Fünf große Studien aus den vergangenen Jahren (in Großbritannien, Schweden, Spanien und den Niederlanden) deuten darauf hin, dass die Zahl der Demenzerkrankungen nicht so stark ansteigt wie befürchtet und vielleicht sogar stabil bleibt. Und das trotz des Alterns der Bevölkerung und dem damit verbundenen Anstieg des Krankheitsrisikos. Eine Demenz bricht im Mittel im Alter von 83 aus, ist also meist ein Leiden der späten Jahre.

In Westeuropa geht der Anteil der Demenzkranken zurück

Experten unter Leitung von Carol Brayne von der Universität Cambridge haben im Fachblatt „Lancet Neurology“ die besagten Untersuchungen ausgewertet. Das Besondere an den Studien war, dass jeweils zwei Gruppen älterer Teilnehmer („Kohorten“ genannt) über einen bestimmten Zeitraum mit den gleichen Methoden untersucht wurden. Die ersten „Kohorten“ wurden zwischen 1976 und 1989 beobachtet, die zweiten zwischen 1994 und 2008. Es war gut möglich, einen Trend bei Demenzerkrankungen aufzudecken, da jeweils die gleiche Altersgruppe im Zentrum stand. Also etwa 70-Jährige und ihr Risiko im Jahr 1980 und im Jahr 2000. Es stellte sich heraus, dass der Trend rückläufig war. Der Anteil der Demenzkranken und die Zahl der Neuerkrankungen nahmen ab.

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