Wissen : Der Tüv darf rein

FU einigt sich auf Qualitätskontrolle für die Lehre

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Die Freie Universität erspart sich eine Blamage: Die Blamage, als Exzellenzuniversität weiter massenhaft Studiengänge ohne Gütesiegel anzubieten. Am Mittwoch beschloss der Akademische Senat mit großer Mehrheit, die an der FU umstrittene „Systemakkreditierung“ einzuführen. Dem Präsidium, vielen FU-Wissenschaftlern und bestimmt auch dem Wissenschaftssenator dürfte damit ein Stein vom Herzen fallen. Und FU-Studierende können sich darüber freuen, später mit einem Abschluss eines qualitätsgeprüften Studiengangs auf den Arbeitsmarkt zu kommen. Vor allen Dingen ist die Hoffnung begründet, dass die Lehre an der FU neue Impulse erhält.

Das Tüv-Siegel, das den meisten FU-Studiengängen bislang fehlt, gehört zur Einführung von Bachelor und Master. Private Akkreditierungsagenturen – und nicht mehr die Wissenschaftsverwaltungen – kontrollieren den Inhalt jedes Studiengangs („Programmakkreditierung“). Wegen der hohen Kosten für die Unis und mancher Kritik war später auch die Möglichkeit zur „Systemakkreditierung“ geschaffen worden: Eine Agentur prüft nicht mehr einzelne Studiengänge, sondern das Qualitätsmanagement einer Hochschule. Diese kann dann selbst als Tüv für ihre Studiengänge auftreten.

Die FU hat sich schon lange für diesen Weg entschieden, kam aber nicht recht voran. Darum ist noch immer nur ein Fünftel ihrer Studiengänge akkreditiert. FU-Wissenschaftler fürchteten bereits um Kooperationspartner im Ausland und sahen die Studierenden verunsichert. Im Akademischen Senat (AS) der FU gab es jedoch so viele Skeptiker, die eine „Kontrollbehörde“ und neue Belastungen befürchteten, dass der Startschuss nicht fiel.

Das ist nun doch noch geschehen. 18 AS-Mitglieder stimmten mit Ja, zwei mit Nein, fünf enthielten sich. Für die Uni-Leitung ist das nach einer längeren Wackelpartie ein Erfolg. Nach den letzten Gremienwahlen haben die eher präsidiumstreuen Fraktionen keine Mehrheit mehr. Die Leitung ist gezwungen, auch jenseits der eigenen Reihen um Unterstützung zu werben. Während des Sommers erarbeitete darum eine Arbeitsgruppe, der auch Skeptiker angehörten, Empfehlungen. Michael Bongardt, der wohl geduldigste Vizepräsident Deutschlands, achtete auch am Mittwoch penibel darauf, jeden Schritt für alle transparent zu machen. Zum FU-Frieden trug auch die Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiter bei, an deren Antrag sich der AS stundenlang abarbeitete.

Nicht zu überzeugen war bis zum Schluss der linke „Dienstagskreis“. Die Sinologie-Professorin Mechthild Leutner befürchtet noch immer eine „Entmündigung“ durch die Systemakkreditierung und noch mehr Arbeit. FU-Kanzler Peter Lange hat zwar zwei zusätzliche Stellen für eine neue Arbeitsstelle versprochen. Da die Qualitätsentwicklung an der FU aber vor allem dezentral organisiert sein soll, werden auch die Fachbereiche involviert sein. Auch der Romanistik-Professor Joachim Küpper hält zwei Stellen für zu wenig, fragte aber: „Ist unser Prestige so groß, dass wir uns auf ein so hohes Ross wie die LMU München setzen und auf jede Akkreditierung verzichten können?“. Küpper warb bei den Professoren dafür, die mit der Akkreditierung einhergehende flächendeckende Evaluierung durch die Studierenden nicht „als narzistische Kränkung“ zu begreifen. „Es ist gut, über den eigenen Stil der Lehre auch mal nachzudenken.“ Anja Kühne

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