DFG-Förderatlas : Drittmittel sind kein guter Maßstab

Im Förderranking der DFG werden kleine mit großen Universitäten, Traditionshochschulen mit Newcomern verglichen - gemessen allein am Drittmittel-Aufkommen. Unser Kolumnist George Turner fordert eine differenziertere Betrachtung.

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In einem Labor arbeiten zwei Frauen an Mikroskopen.
Teure Technologie. Hier Universitäten mit einem Schwerpunkt auf finanziell aufwändigen Fächern wie Medizin und Technik, dort...Foto: mauritius images

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den Förderatlas 2015 veröffentlicht. Berlin und München stehen an der Spitze. Wer hätte das gedacht! Universitäten und andere Institutionen, die Forschung betreiben, sind darauf angewiesen, zusätzlich zu der staatlichen Grundausstattung Mittel einzuwerben. Das kann über Einrichtungen geschehen, die eigens zur Förderung der Wissenschaft geschaffen worden sind, wie die DFG, durch Bundesministerien oder über andere Geldgeber, etwa die Privatwirtschaft oder Stiftungen.

Der Blick für die Unterschiede geht verloren

Gern wird dann die Summe der eingeworbenen Mittel addiert und eine Rangfolge der Hochschulen in Tabellenform erstellt. Wer am meisten hat, ist „Spitze“. Dabei geht der Blick verloren für die Unterschiede zwischen den Universitäten. Sie differieren, was die Zahl der Studierenden angeht, zwischen 5000 und 50 000. Entsprechend groß ist der Unterschied bezüglich der Zahl der Wissenschaftler.

Ein Porträtfoto.
Tagesspiegel-Kolumnist George Turner.Foto: Mike Wolff

In der Breite der Fächer können sie nahezu alles in ihrem Repertoire haben, was die Wissenschaft zu bieten hat, oder nur einen schmalen Fächerkanon. Sie gehören entweder seit Jahrhunderten zu dem Kreis der klassischen Universitäten oder sind Neugründungen, entstanden erst in den letzten 50 Jahren. Sie weisen finanziell besonders aufwendige Fächer auf wie Medizin und Technik oder verfügen lediglich über geisteswissenschaftliche Disziplinen. Es gibt Fächer, in denen die Einwerbung von Drittmitteln nicht üblich und auch nicht zwingend ist, wie in manchen sogenannten Buchwissenschaften.

Seriös vergleichen kann man nur nach Fächern

Das bedeutet, Universitäten sind als Ganze nicht vergleichbar. Daran kranken alle Rankings, die versuchen, womöglich sogar weltweite Vergleiche herzustellen. In einem Ranking der unsinnigsten Rankings stünde das aus Schanghai an der Spitze. Deshalb ist auch eine „Bundesligatabelle“ nach der Höhe der Drittmittel irreführend. Wenn man seriös vergleichen will, geht das nur nach Fächern oder Fächergruppen. Auch das ist noch problematisch, weil die Größe, wie die Anzahl der Wissenschaftler, unberücksichtigt bliebe.

Erst wenn man die eingeworbenen Drittmittel nach Fächern und in Beziehung zu der Anzahl der Professoren setzt, ergibt sich daraus eine brauchbare Aussage. Eine Tabelle lediglich mit absoluten Zahlen stiftet eher Unheil. So ist denn auch der von der DFG veröffentlichte Förderatlas 2015 „schief“, in dem die „forschungsstärksten“ Universitäten in Tabellenform entsprechend der absoluten Beträge der eingeworbenen Drittmittel aufgeführt werden.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: george.turner@t-online.de

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