Die Humboldt-Uni und ihre Finanzen : „Deutlich zu wenig zum Leben“

Die Humboldt-Universität diskutiert ihren prekären Haushalt: "Wir gehen hier ans Eingemachte." Die Uni sieht das Land in der Pflicht, die Zuschüsse zu steigern.

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Eine Skulptur steht vor der Humboldt-Universität.
Die Humboldt-Universität zu Berlin.Foto: picture-alliance/dpa

Die Humboldt-Universität sucht wieder einen Präsidentschaftskandidaten. Noch stehen keine Namen fest. Klar ist allenfalls: Die oder der Neue muss sich auf eine Universität mit klammen Finanzen einstellen. Das wurde am Dienstag in der Haushaltsdebatte im Akademischen Senat erneut deutlich. „Wir haben derzeit zu viel zum Sterben, aber deutlich zu wenig zum Leben“, stellte der Wirtschaftsgeograf Elmar Kulke fest. Er sprach von einer „Katastrophe“ vor allem bei der Ausstattung in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern: „Wir gehen hier ans Eingemachte.“ Auch der Biologe Richard Lucius warnte, die Ansätze insbesondere für die Anschaffung und den Erhalt von Großgeräten seien nicht ausreichend: „Teilweise haben wir exzellente Bereiche, teilweise befinden wir uns aber auf dem Niveau eines Entwicklungslands.“ Für den Ökonom Joachim Gassen kann die HU nur noch „Knappheitsmanagement“ betreiben.

Die HU sieht sich gegenüber TU und FU benachteiligt

Zuvor hatte Recardo Manzke, der Interims-Vizepräsident für Haushalt, die Eckdaten für den Doppelhaushalt 2016/17 vorgestellt. Zwar kann die HU 2016 mit 234 Millionen Euro geringfügig mehr ausgeben als dieses Jahr; für 2017 wird mit einem Aufwuchs auf 241 Millionen Euro gerechnet. Angesichts von Tarifaufwüchsen und „exorbitant“ steigenden Versorgungsleistungen sei das aber zu wenig, sagte Manzke.

So kann die HU für Investitionen im kommenden Jahr zwei Millionen Euro weniger als jetzt ausgeben (insgesamt 18 Millionen). Die Rücklagen schrumpfen bis 2017 um mehr als die Hälfte. Geplant ist zudem eine pauschale Minderausgabe von 1,5 Millionen Euro bei Sachmitteln. Mit Blick auf das Jahr 2018, wenn Mittel aus der Exzellenzinitiative verstetigt, also aus dem Unihaushalt gestemmt werden müssen, sagte Manzke: „Ich wüsste nicht, wie wir das bewältigen sollen.“ Die HU müsse sich auf „Umbau statt Anbau“ einstellen. Für den amtierenden Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz ist die Landespolitik in der Pflicht: Entweder erhalte die HU im Zuge der nächsten Hochschulverträge gemäß ihren gewachsenen Aufgaben auch wachsende Zuschüsse: „Oder wir müssen Aufgaben reduzieren.“

Der Haushalt wird einstimmig angenommen

Deutlich wurde, dass sich die HU im Vergleich zu FU und TU benachteiligt sieht. Die würden vom Senat rund 65 Millionen Euro (TU) beziehungsweise rund 80 Millionen Euro (FU) mehr bekommen, rechnete Manzke vor. Anders als vor zwei Jahren wurde der AS jetzt aber nicht von der Ankündigung neuer Stellenstreichungen überrascht. Und so nahm das Gremium den Haushalt gleich nach der ersten Lesung einstimmig an. Über die geplatzte Präsidentenwahl wurde im öffentlichen Teil des AS nicht gesprochen.

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