Die Lage des Mittelbaus : Nicht nur die Professur lockt

Junge Wissenschaftler auf Postdoc-Stellen setzen nicht nur auf die Professur. Viele hoffen auf Lecturer-Stellen - auch bei der Leibniz-Gemeinschaft.

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Zwei Frauen stehen vor einer Lichtinstallation in einer Ausstellung.
Leuchtende Zukunft? Eine Nachwuchsgruppenleiterin am Berliner Naturkundemuseum (im Bild eine Ausstellung von 2014), das zur...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Leibniz-Gemeinschaft fordert einen „Bewusstseinswandel“ im Umgang mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs – vor allem von den Universitäten. Die Wissenschaftsorganisation selber sei „in einer privilegierten Situation“, sagte Generalsekretärin Christiane Neumann am Mittwoch in Berlin. Wie alle außeruniversitären Forschungseinrichtungen verfügten die Leibniz-Institute über zahlreiche langfristige Beschäftigungsverhältnisse unterhalb der Professur. Eine Selbstverpflichtung, diese Positionen auszubauen und insgesamt zu mehr Transparenz und mehr Planungssicherheit für junge und jüngere Wissenschaftler zu kommen, habe die Leibniz-Gemeinschaft seit 2013 in ihren Karriere-Leitlinien festgeschrieben. Die Universitäten seien aber noch immer zu sehr darauf fixiert, „Akademikerschmieden im Sinne der Selbstergänzung“ zu sein.

Jüngere Leibniz-Forscher sorgen sich um die Übergangszeit

„Nicht jeder, der promoviert, muss Professor werden“, sagte Neumann. Davon aber gingen die Unis weiterhin aus. Tatsächlich aber bildeten sie hauptsächlich für die Gesellschaft und die Wirtschaft aus – „und nur in einem geringeren Maße für die Akademia“.

Die jüngeren Leibniz-Forscher selber beunruhigt vor allem die Unsicherheit der Übergänge zwischen zwei Karrierestufen. Besonders prekär sei die Phase, in der die Doktorarbeit geschrieben und die meist dreijährige Finanzierung ausgelaufen ist, sagt René Schlott, Koordinator für Nachwuchsförderung am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Hier müsse es eine Überbrückungsfinanzierung geben, die etwa die Publikation der Arbeit ermögliche. Dieser Aspekt fehle auch im Entwurf für ein neues Wissenschaftszeitvertragsgesetz.

Nur der Tenure Track hilft gegen Abwanderung in die USA

Als Karriereperspektive würden Doktoranden keineswegs nur die Professur anstreben, sagt Schlott. Viele wünschten sich Lecturer-Stellen nach britischem Vorbild, seien zu einem hohen Engagement in der Lehre bereit. Nadja Fröbisch, Wirbeltierpaläontologin am Naturkundemuseum, plädiert für die breite Einführung des Tenure Tracks auch in Deutschland, mit dem erfolgreich arbeitende jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine sichere Karriereperspektive erhalten würden. „Nur das hilft gegen den Braindrain, denn viele von uns fragen sich: Gehe ich in die USA, wo ich in fünf Jahren eine Professur erreichen kann, oder begebe ich mich in die Mühlen in Deutschland?“

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