Digitale Pioniere (10): Jimmy Wales : Der Vater des Online-Lexikons Wikipedia

Schon als Kind liebte er Lexika. Später gründete er Wikipedia und machte so Wissen für alle frei verfügbar.

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Jimmy Wales, aufgenommen beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 21. Januar 2016
Jimmy Wales, aufgenommen beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 21. Januar 2016Foto: REUTERS

Aller Ehren wert

Jimmy Wales ist Hauptgründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Sie ist kostenfrei zugänglich – und alle dürfen mitmachen, um das Wissen zu mehren.

Zur Person

Wales (geboren 1966 in Huntsville, Alabama) hing als Kind stundenlang über Lexika wie der mehrbändigen „World Book Encyclopedia“. Später studierte er Finanzwirtschaft; die begonnene Dissertation brachte er nie zu Ende, weil sie ihn langweilte. Aber das aufstrebende Internet faszinierte ihn, in seiner Freizeit schrieb er Computerprogramme und spielte textbasierte Rollenspiele.

1994 ging Wales nach Chicago, wo er mit Zinsraten und Währungen spekulierte und dabei vermögend wurde. Zwei Jahre später gründet er die Internetfirma Bomis, die werbefinanzierte Foren anbot zu Sport, Unterhaltung und Erotik. Dieses Geld war die Grundlage für Wales Online-Enzyklopädie Nupedia. Als Chefredakteur hatte er Larry Sanger verpflichtet. Nupedia enthielt Einträge von Freiwilligen, die aufwendig von Experten begutachtet wurden. Es ging nur schleppend voran – bis der Programmierer Ben Kovitz Sanger das Wiki-Modell vorschlug: Alle Bearbeiter können simultan an Einträgen arbeiten. Die Nupedia-Experten wollten damit nichts zu tun haben, fürchteten um ihren Ruf, wenn Amateure zu viel Einfluss hätten. So startete die „Wikipedia“, wie sie Sanger nannte, als eigenes Projekt im Januar 2001. Mit Erfolg.

Noch kam das Geld von Bomis, doch Wikipedia sollte unabhängig werden. Dazu gründete Wales 2003 die gemeinnützige Wikimedia Foundation, die er bis 2006 führte; nach wie vor ist er im Vorstand vertreten. Heute lebt er mit seiner Familie in London und ist unter anderem Berater der britischen Regierung.

Seine Wikipedia umfasst mittlerweile mehr als 37 Millionen Artikel in fast 300 Sprachen. Den Brockhaus, den Wales einst als Vorbild in puncto Qualität bezeichnete, hat es bereits erwischt. Seit 2014 wird er nicht mehr verkauft, er ist nur noch antiquarisch zu haben.

Gut zu wissen
Auf den Wikipedia-Mitgründer Larry Sanger war Wales bald nicht mehr gut zu sprechen. 2005 änderte er den englischsprachigen Eintrag zu seiner eigenen Person mehrfach, um den Beitrag Sangers zu verbergen.

Vor 75 Jahren stellte Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer Z3 in Berlin vor. Aus diesen Anlass blicken das Zuse-Institut Berlin und der Tagesspiegel am 11. Mai auf einer internationalen Konferenz in die digitale Zukunft: „The Digital Future – 75 Years Zuse Z3 and the Digital Revolution.“  75 Folgen über die wichtigsten Wegbereiter des digitalen Zeitalters zeigen, was bisher geschah. Mehr zur Veranstaltung: www.science-match.info

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