Digitale Pioniere (21): Gordon Moore : Der Prophet der Chipentwickler

1965 sagte Gordon Moore voraus, dass die Anzahl der Schaltfunktionen auf einem Chip etwa jedes Jahr verdoppelt. Nun scheint - mal wieder - die Grenze erreicht zu sein.

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Gordon Moore (rechts), Mitbegründer von Intel, wurde hier bei der Verleihung des "Marconi Society Lifetime Achievement Award" durch Robert Galvin (Chef von Motorola) im November 2005 fotografiert.
Gordon Moore (rechts), Mitbegründer von Intel, wurde hier bei der Verleihung des "Marconi Society Lifetime Achievement Award"...Foto: AFP/NICHOLAS ROBERTS

Aller Ehren wert

In einem Fachartikel veröffentlichte Gordon Moore 1965 die Annahme, dass sich die Anzahl der Schaltfunktionen auf Chips und damit auf die möglichen Rechenoperationen pro Sekunde jedes Jahr verdoppeln würde. Als „Moore’sches Gesetz“ ging diese Faustregel in die Annalen ein. Im Groben stimmt sie bis heute.

Zur Person

Gordon Moore, 1929 geboren, wuchs in Kalifornien auf und begann ein Chemiestudium in San Jose. Es folgten Stationen mit eindrucksvollen Namen: Berkeley, Caltech (California Institute of Technology), Applied Physics Lab an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Bald heuerte er bei William Shockley an, dem Erfinder des Transistors, verließ dann aber mit sieben weiteren Ingenieuren Shockleys Arbeitsgruppe, um 1957 die Firma Fairchild Semiconductor zu gründen, die großen Erfolg hatte.

Als Chef der Entwicklungsabteilung schrieb er 1965 einen Beitrag für die Fachzeitschrift „Electronics“, dessen These als „Moore’sches Gesetz“ weithin bekannt wurde, obwohl das Wort „Faustregel“ treffender wäre. Die Zahl der integrierten Schaltkreise in einem Chip verdoppelt sich im Jahresrhythmus, schrieb er da und bezog sich zunächst auf die Zeit bis 1975. Zehn Jahre später korrigierte er sich und schätzte fortan eine Verdopplung alle zwei Jahre.

Immer kleiner wurden die Schaltkreise, immer mehr davon passten auf einen Chip – bis heute hat sich seine Vorhersage bestätigt. Inzwischen sind die Schaltkreise bei nur noch 14 Nanometern angelangt und sind damit kleiner als viele Viren. Bald hat die Miniaturisierung ihre physikalische Grenze – einzelne Atome – erreicht. Womöglich geht es dennoch in Moores Sinn weiter. Manche Forscher versuchen, Schaltkreise dreidimensional zu bauen, um Platz zu sparen. Andere setzen auf Materialien, die weniger Wärme produzieren als Silizium, etwa Graphen. Wieder andere setzen auf Quantencomputer. Ob sie Erfolg haben, wird die Zukunft zeigen.

Gut zu wissen

Ausgehend von der Faustregel des Computerwissenschaftlers und Intel-Mitbegründers gibt es noch ein weiteres „Gesetz“ der Branche. Es besagt: Die Anzahl der Menschen, die glauben, dass Moores Gesetz am Ende ist, verdoppelt sich alle zwei Jahre.

Vor 75 Jahren stellte Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer Z3 in Berlin vor. Aus diesem Anlass blicken das Zuse-Institut Berlin und der Tagesspiegel am 11. Mai auf einer internationalen Konferenz in die digitale Zukunft: „The Digital Future – 75 Years Zuse Z3 and the Digital Revolution“.  75 Folgen über die wichtigsten Wegbereiter des digitalen Zeitalters zeigen, was bisher geschah. Mehr zur Veranstaltung: www.science-match.info

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