Dinosaurier-Evolution : Baby-Dino wurde riesig

Das Fossil eines vor 90 Millionen Jahren frisch geschlüpften Echsen-Embryos gehörte zu einer eigenen, besonders großen Oviraptor-Art.

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Drachenbrut. Ausgewachsen hätte „Baby Louie“ eine Tonne gewogen. Bild: Zhao Chuang/Nature Communications
Drachenbrut. Ausgewachsen hätte „Baby Louie“ eine Tonne gewogen.Bild: Zhao Chuang/Nature Communications

1993 machte der Hollywood-Film „Jurassic Park“ Dinosaurier noch populärer, als sie es ohnehin schon waren. Im gleichen Jahr fand ein Bauer in der Provinz Henan im Zentrum Chinas das Fossil eines vor über 90 Millionen Jahren frisch geschlüpften Dinosaurier-Babys inmitten versteinerter Dinosauriereier. Der spektakuläre Fund eines Nests, von dem jedoch nicht die Wissenschaft, sondern zunächst nur windige Fossilienhändler profitieren konnten: Sie verscherbelten „Baby Louie“ – benannt nach dem Fotografen, der die ersten Bilder von dem Fossil schoss.

Baby Louie einziges Exemplar seiner Art

Nach einer Odyssee durch Sammlerhände und Archive erwarb schließlich das Kindermuseum von Indianapolis das Exemplar und gab es 2013 an das Geologische Museum in Henan zurück. Dort konnten die Paläontologin Darla Zelenitsky von der Universität Calgary und ihr Team Baby Louie schließlich wissenschaftlich untersuchen.

Den jetzt im Fachblatt „Nature Communications“ veröffentlichen Ergebnissen nach gehört Baby Louie zu einer bislang unbekannten Art der Oviraptor-Echsen. Bislang zählte man vor allem den kleinen, gefiederten und zweibeinigen Oviraptor philoceratops zu dieser Gruppe, der mit seinem zahnlosen, papageienähnlichen Schnabel vermutlich Schalentiere knackte oder Eier stahl (daher Oviraptor). Baby Louie ist allerdings viel größer. „Allein die Größe der Eier legt schon nahe, dass das ausgewachsene, eierlegende Tier mehr als zwölf Mal so groß gewesen sein muss“, sagt Zelenitsky. Diese rund 40 Zentimeter großen, als Macroelongatoolithen bezeichneten Eier gehören zu den größten bislang entdeckten Dinosauriereiern und waren in der Späten Kreidezeit im heutigen Asien und Nordamerika weitverbreitet.

Ausgewachsen über eine Tonne schwer

Der Baby-Louie-Embryo ist etwa 38 Zentimeter lang, das Muttertier dürfte Zelenitskys Schätzungen nach hingegen über eine Tonne gewogen haben. Es gibt nur einen weiteren Fund eines oviraptor-ähnlichen Fossils, der mit diesen Ausmaßen übereinstimmt – ein Teilskelett eines „Gigantoraptor“, der in China gefunden wurde. Ob es sich um die gleiche Art handelt, ist offen. Die Spezies, zu der Baby Louie einst gehörte, taufte Zelenitsky Beibeilong sinensis – chinesischer Baby-Drache.

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