Wissen : Dr. Humboldts schwerer Start

Probleme an der Graduiertenschule der HU

Gina Apitz

Die Kaderschmiede der Humboldt-Universität hat endlich eine Adresse: Einst war das Haus in der Luisenstraße 56 in Mitte königliche Tierarzneischule, später DDR-Staatssekretariat für Kirchenfragen, dann Außenministerium der Honecker-Republik. Seit Mitte April residiert nun die Humboldt Graduate School (HGS) – die Dachorganisation aller HU-Doktoranden – dort in unmittelbarer Nähe zur Charité.

Eine bessere Zusammenarbeit unter den Doktoranden soll die 2006 gegründete HGS leisten. Die Akademiker sollen nicht länger im stillen Kämmerlein forschen, sondern sich untereinander austauschen. An der HGS werden ihnen unter anderem überfachliche Qualifikationen vermittelt, in Schreib- und Rhetorikseminaren, Sprachkursen oder Stressmanagement. Ein neues Mentoring durch erfahrene Forscher soll den frisch Promovierten dann beim Berufseinstieg helfen.

Wegen Komplikationen bei der Restaurierung des Dachstuhls ist die HGS zwei Jahre später als geplant in der Luisenstraße eingezogen. Aber voll etabliert ist sie nicht: Von den rund 4000 Doktoranden der HU promovieren dort erst 350. Aufgenommen wird nur, wer seine Dissertation in einem strukturierten Programm schreibt. 40 solcher Promotionsprogramme hat die HU; als die HGS vor zwei Jahren startete, gehörten ihr drei an, heute sind es zwölf. Individuell Promovierende werden bisher nicht betreut.

Beim Referentinnenrat, dem Asta der HU, wird die Graduiertenschule deshalb kritisch gesehen. „Die HGS steht nur einer kleinen Teilgruppe von Promovierenden zur Verfügung“, sagt Sascha Watermann, Referent für Lehre und Studium. Weitere Programme hätten bereits die Aufnahme beantragt und langfristig sollten auch Einzelkämpfer aufgenommen werden, sagt Stefanie Röder, Koordinatorin der Geschäftsstelle der HGS. Für eine solche Expansion fehle aber das nötige Personal. Eine Evaluierungskommission hatte in ihrem Bericht von 2009 vermerkt, dass die Graduiertenschule drei Stellen und jährlich eine dreiviertel Million Euro benötige. Diese „Schätzung“ sei völlig aus der Luft gegriffen, sagt Röder.

Der Chef der HGS, HU-Vizepräsident Michael Linscheid, hatte im Januar drei neue Stellen beantragt – und scheiterte damit im Akademischen Senat. Ebenso abgelehnt wurde eine unbefristete Verlängerung der Graduate School. „Das vorgelegte Konzept war unklar und der Personalbedarf völlig unrealistisch“, kritisiert AS-Mitglied Andreas Griewank. Drei weitere Stellen seien nicht verhältnismäßig, sagt der Mathematikprofessor, zumal es in einem Kernbereich der Uni, in der Studienabteilung, Personalnotstände gebe.

Der Historiker Andreas Kohring, Mitglied der Enwicklungsplanungskommission der HU, sieht einen weiteren Grund für die Befristung der HGS auf vorerst fünf Jahre. Einige Professoren im Akademischen Senat sähen „die Heimat der Doktoranden nach wie vor an der Fakultät“, sagt Kohring. Die HU sei aber gezwungen, ihre Graduiertenprogramme konsequent weiterzuentwickeln, um auf den internationalen Stand der Doktorandenausbildung zu kommen.

Beim Exzellenzwettbewerb soll die HGS eine wichtige Rolle im neuen Lehrkonzept der HU spielen. Unterdessen steht sie uniintern weiter auf dem Prüfstand: In zwei Jahren muss sie dem Akademischen Senat einen Entwicklungsbericht vorlegen. Gina Apitz

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