DUW : Aus für Weiterbildungsuni von FU und Klett

Wegen finanzieller Probleme steht die in Berlin ansässige Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) vor dem Aus. 2009 mit Beteiligung der Freien Universität und der Klett-Gruppe gegründet, soll sie jetzt für einen Euro verkauft werden.

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Riskanter Versuch. Die DUW hatte ihren Sitz zuerst in Dahlem.
Riskanter Versuch. Die DUW hatte ihren Sitz zuerst in Dahlem.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das Geschäftsmodell der privaten Hochschule für weiterbildende Masterstudiengänge, die 2009 als Public Private Partnership von der Freien Universität (FU) und der Stuttgarter Klett-Gruppe gegründet wurde, ist gescheitert, die DUW soll für einen Euro verkauft werden. Das geht aus Protokollen des Kuratoriums der FU hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen. Demnach wurde das Präsidium der FU in einer nichtöffentlichen Kuratoriumssitzung am 3. Mai dieses Jahres beauftragt, Vertragsverhandlungen mit einem nicht näher bezeichneten potenziellen Käufer „schnellst möglich zum erfolgreichen Abschluss zu bringen“. Schon seit Dezember 2012 nimmt die DUW keine neuen Masterstudierenden mehr an.

Die DUW galt bei ihrer Gründung als neuartiger Versuch einer staatlichen Universität, die Weiterbildung institutionell deutlich aufzuwerten und zu einem Geschäftsmodell zu machen. Die DUW, an der sich die FU und die Klett-Gruppe zu je 50 Prozent beteiligten, sollte zu einer angesehenen Adresse für zahlende Studierende mit Berufserfahrung werden. Die Uni steuerte fünf Millionen Euro zum Startkapital bei, vor allem dadurch, dass sie ein Gebäude in der Dahlemer Pacelliallee zur Verfügung stellte. Mit der DUW schien die Freie Universität der Forderung der Berliner Politik, die Hochschulen sollten sich stärker in der Weiterbildung engagieren, besonders zu entsprechen.

Doch die DUW kam finanziell nicht auf die Füße. Es wollten sich nicht genug Interessenten für die sieben Masterstudiengänge (darunter „Bildungs- und Kompetenzmanagement“, „Sicherheitswirtschaft“ und „Drug Research and Management“) finden, die bereit waren, 15 000 Euro in ihren Abschluss zu investieren. Laut DUW-Präsidentin Ada Pellert hätte die Hochschule rund 1500 Studierende gebraucht, um sich zu tragen (Tsp. vom 29. 8. 2010), doch nur 256 Studierende sind momentan immatrikuliert. Wirtschaftlich erfolgreich ist dem Kuratoriumsprotokoll zufolge nur der Master of Business Administration (MBA). Dessen internationaler Zweig wird von Mercedes Benz China finanziert; die DUW ist einer von drei Standorten der „Carl Benz Academy“, an der Mitarbeiter der Vertragshändler aus China studieren.

Wegen der finanziellen Schwierigkeiten wurde das Gebäude in der Pacelliallee verkauft, die DUW hat inzwischen Räume in der Katharinenstraße in Halensee gemietet. Laut dem Protokoll des FU-Kuratoriums verfügt die DUW momentan über rund 2,3 Millionen Euro liquider Mittel. Das FU-Präsidium will die finanziellen Risiken einer Abwicklung – nach Schätzungen um eine Million Euro – vermeiden, indem es versucht, die DUW zu verkaufen. Bei dem Interessenten soll es sich um die Stuttgarter Steinbeis-Gruppe handeln, die in Berlin die Steinbeis-Hochschule betreibt. Steinbeis hatte 2007 auch das finanziell gescheiterte Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) für einen Euro gekauft.

Der Präsident der Freien Universität, Peter-André Alt, wollte sich zur DUW nicht äußern. Sein Vorgänger Dieter Lenzen, der die DUW in seiner Amtszeit gründete und heute die Uni Hamburg leitet, sagte am Sonntag auf Anfrage: „Für die Weiterbildung braucht man einen langen Atem.“ Bei der Gründung der DUW sei auch nicht absehbar gewesen, dass Unternehmen wegen der Finanzkrise an der Weiterbildung sparen würden.

Der Tagesspiegel erhielt in der Nacht zum Sonntag eine „Pressemitteilung“ von einem anonymen Absender, die von einer fingierten E-Mail–Adresse „dieter_lenzen“ abgeschickt wurde. Dort heißt es, an der FU gehe es „manchmal zu wie in Las Vegas“. Es wird an den finanziellen Verlust in Millionenhöhe erinnert, den die Uni 2009 mit ihrem Alumni-Club „Friends of Free University“ in New York erlitt.

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