Ebola-Impfstoffe in Westafrika : Wettlauf mit der Zeit

Die ersten Ebola-Impfstoffe werden in zwei bis vier Wochen in Westafrika getestet. Doch deren Wirksamkeit nachzuweisen, wird immer schwerer.

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Händlerinnen und Händler sowie Kundinnen und Kunden auf einem Markt in Monrovia.
Zurück in den Alltag. Die Händler in Monrovia finden wieder Kunden. Doch in Liberia gibt es immer noch einzelne Ebola-Fälle. Eine...Foto: AFP

Frühestens ab Ende Januar wird die Wirksamkeit eines ersten Ebola-Impfstoffs in Liberia geprüft. Weitere Tests sollen im Februar in Guinea, Sierra Leone und Liberia beginnen. „2014 war das Jahr, in dem Ebola die Menschheit herausgefordert hat. 2015 weisen wir das Virus mithilfe der besten Wissenschaftler in seine Schranken“, sagte die stellvertretende Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation, Marie-Paule Kieny, nach einem Treffen von etwa 90 Delegierten von Universitäten, Regulierungsbehörden, Pharmaindustrie, Hilfsorganisationen, Stiftungen und Regierungen in Genf.

Die Zeit drängt. Der WHO-Statistik zufolge haben sich bisher allein in den drei am schwersten betroffenen Staaten 21 086 Menschen mit Ebola infiziert, 70 Prozent davon sind gestorben. In Sierra Leone werden wöchentlich etwa 250 neue Erkrankungen gemeldet. In Guinea sind es etwa 75, verteilt über das ganze Land. Ob ihre Zahl steigt oder sinkt, ist unklar. Nur in Liberia ist ein positiver Trend erkennbar: Hier dokumentierten die Behörden zuletzt acht bestätigte und 40 vermutliche Fälle in einer Woche.

Je weniger Fälle, desto mehr Menschen müssen beteiligt werden

Wie sich die Epidemie in den nächsten Monaten entwickeln wird, ist kaum vorhersehbar. Sollte sie erneut aufflammen, werden die Impfstoffe dringend gebraucht. Ebbt sie in allen drei Ländern ab, wird es für die Forscher immer schwerer, die Wirksamkeit der neuen Ebola-Impfstoffe nachzuweisen. Je weniger Fälle es gibt, desto mehr Menschen müssen sie in die Studien einschließen. Andernfalls können sie nicht sehen, ob die Geimpften besser vor Ansteckung geschützt sind als die Nichtgeimpften. „Es ist deshalb wichtig, dass wir so schnell wie möglich anfangen“, sagte Helen Rees von der Universität von Witwatersrand in Südafrika, die das Treffen in Genf leitete.

Der Start wurde aber bereits um einige Wochen verschoben. Die Vorbereitung vor Ort war komplizierter als gedacht. Die Impfstoffe müssen nicht nur ununterbrochen bei minus 80 Grad Celsius gelagert werden. Um Gerüchten vorzubeugen, wird auch die Bevölkerung umfassend informiert. Zudem brauchen die Forscher noch zwei bis vier Wochen, um eine geeignete Dosis für die beiden am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffe festzulegen.

Eine Infektion über die Impfungen ist ausgeschlossen

Derzeit werden drei Ebola-Impfstoffe am Menschen getestet. Nach GlaxoSmithKline (GSK) und Merck prüft seit letzter Woche auch die Pharmafirma Johnson & Johnson in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford bei gesunden Freiwilligen, ob ihre Vakzine sicher ist und ob das Immunsystem gut darauf reagiert. In keinem Fall wird ein komplettes Ebola-Virus verwendet, weder abgetötet noch abgeschwächt. Das Immunsystem soll nur auf ein Oberflächeneiweiß von Ebola reagieren. Eine Infektion über die Impfung ist deshalb ausgeschlossen.

Der Impfschutz wird in den drei Ländern auf unterschiedliche Art und Weise getestet. In Liberia wird es drei Gruppen mit jeweils 9000 Freiwilligen aus der breiten Bevölkerung geben, die entweder die Impfung von Merck, die von GlaxoSmithKline oder – als Placebo – eine Impfung gegen eine andere Infektionskrankheit bekommen.

In Sierra Leone entscheiden sich die Verantwortlichen in den nächsten Wochen, welchen Impfstoff sie für besonders vielversprechend halten. Ab Februar werden schrittweise Gruppen von Ärzten, Krankenpflegern, Totengräbern, Ambulanzfahrern, Reinigungskräften und anderen „Fronthelfern“ damit geimpft. Die Forscher vergleichen dann die zu unterschiedlichen Zeiten immunisierten Gruppen miteinander. Niemand bekommt ein Placebo.

Ringimpfung in Guinea: Rund um einen neuen Fall werden alle immunisiert

Schnelle Resultate erhofft sich Kieny vor allem von der Studie mit 9000 Freiwilligen in Guinea. Sobald dort ein neuer Fall gemeldet wird, sollen dort ab Februar etwa 50 Menschen im Umfeld die Impfung bekommen. Diese Strategie ist als „Ringimpfung“ bekannt und wurde bei der Ausrottung der Pocken benutzt. In Guinea soll es 90 solcher Ringe geben, in denen gefährdete Personen so schnell wie möglich geimpft werden und 90 Ringe, in denen das nach einer Verzögerung passiert. In anderen Ländern Afrikas, die nicht von Ebola betroffen sind, werden weiterhin die Sicherheit und die Immunantwort auf die Impfung geprüft, auch bei besonderen Gruppen wie Kindern oder HIV-Infizierten.

Ob und wann die Johnson & Johnson-Impfung in Westafrika geprüft wird, wurde noch nicht beraten. Bei dieser Variante ist eine Auffrischungsimpfung nötig, deshalb braucht der Körper länger, um einen möglichen Schutz aufzubauen. Die Forscher hoffen jedoch, dass er dann länger anhält. Dann könnte man schon vor einem Ausbruch Krankenpfleger in Risikogebieten damit impfen. „Wir wissen nicht, welche Impfung letztlich erfolgreich sein wird“, sagte Kieny. „Möglicherweise sind es drei, möglicherweise gar keine. „Wir rechnen in etwa sechs Monaten mit ersten Ergebnissen.“ Doch das sei eine grobe Rechnung mit sehr vielen Unbekannten.

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