Ebola in Westafrika : Neue Ansteckungswelle

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika ist größer als jeder zuvor – und er ist noch nicht unter Kontrolle. Allein in den vergangenen zwei Wochen gab es etwa 180 neue Fälle.

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Geschützt. Wer Ebola-Patienten pflegt, muss strenge Hygieneregeln beachten.
Geschützt. Wer Ebola-Patienten pflegt, muss strenge Hygieneregeln beachten.Foto: AFP

In Westafrika hat eine neue Ansteckungswelle mit dem tödlichen Ebola-Virus begonnen. Allein in den letzten zwei Wochen zählte die Weltgesundheitsorganisation WHO über 90 vermutete und bestätigte Ebola-Fälle in Guinea, fast ebenso viele wurden im Nachbarland Sierra Leone gemeldet. Nicht bei allen Patienten konnte die Infektion im Labor nachgewiesen werden, bevor sie verstarben und begraben wurden – doch ihre Symptome deuteten auf Ebola hin. Damit hat das Virus in Westafrika insgesamt 453 Menschen krank gemacht, 243 davon starben. Das sind mehr als bei jedem anderem Ausbruch, seit Ebola 1976 entdeckt wurde. Nur Liberia meldet keine neuen Fälle.

Der Ausbruch sei besorgniserregend, schreibt die europäische Seuchenbehörde ECDC in einer aktuellen Risikobewertung. Den Notfallhelfern sei es nicht gelungen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Marburg, bestätigt das. Seine Mitarbeiter wechseln sich ab, um das europäische mobile Labor in Guinea und somit die molekulare Diagnostik vor Ort zu unterstützen. „Die Menschen in Westafrika kennen Ebola nicht“, sagt er. „Und offensichtlich funktioniert die Aufklärung nicht.“

Viele pflegen ihre Angehörigen weiterhin zu Hause, für die Bestattung transportieren sie den Leichnam teilweise über weite Strecken. So bekommt das Virus immer wieder die Gelegenheit, neue Opfer zu finden. Manche halten die Krankheit für einen Fluch. Den Ratschlägen der Notfallhelfer glauben sie nicht unbedingt. „Verständlich“, sagt Becker. „Da reisen Fremde an und behaupten irgendwas. Wenn Kranke in die Isolierstation kommen, sieht man sie oft erst im Leichensack wieder.“ Das gebe Gerüchten und Verschwörungstheorien Aufwind.

Das Misstrauen ermöglicht es dem Virus, immer wieder neue Opfer zu finden

„Ebola ist auch mit einem Stigma verbunden“, ergänzt Sylvie Ahrens, Pressesprecherin von Ärzte ohne Grenzen. Manche Überlebende werden in ihrer Heimatstadt ausgegrenzt, obwohl von ihnen keinerlei Gefahr mehr ausgeht.

Die Gerüchte und das Misstrauen erschweren es den Helfern, derzeit mehr als 1000 Kontaktpersonen von Patienten zu finden und ihren Gesundheitszustand zu überwachen, um die Ansteckungskette zu unterbrechen. Zwar sei es nicht ausgeschlossen, dass sich Menschen mehr als einmal durch den Kontakt mit Tieren – wie Buschfleisch – mit Ebola infiziert haben, schreibt die ECDC. Entscheidend für den Ausbruch sei aber die Übertragung von Mensch zu Mensch.

Etliche Kranke werden nicht zu den Isolierstationen, sondern traditionellen Heilern gebracht. In Guinea verstarb zum Beispiel ein traditioneller Heiler, der Ebola-Patienten behandelt hatte. Sein Leichnam wurde von vielen Trauernden zur Bestattung begleitet, mindestens 35 der neuen Ebola-Patienten im benachbarten Sierra Leone waren dabei.

In Sierra Leone zählte die WHO bisher 89 Infizierte, sieben starben. In Guinea sind es 351 Fälle, 226 starben. Die Hilfsorganisationen haben ihre Notfallteams abermals verstärkt und neue Schutzkleidung für Ärzte und Pflegekräfte geschickt. Auch das mobile Labor der EU wird nach wie vor gebraucht. „Niemand weiß, wie lange der Ausbruch dauern wird“, sagt Becker. „Damit haben wir nicht gerechnet. Allmählich stoßen wir an unsere Grenzen.“

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