Energie : Düstere Aussichten

„Die Energiekrise wird kommen. Und sie wird schrecklich sein.“ So steht es dramatisch auf dem Buchdeckel des neuen Werks von Robert B. Laughlin.

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Robert B. Laughlin
Robert B. LaughlinFoto: Kyu-Chul Lee

„Aber wir können sie überstehen, wenn wir heute beginnen, uns darauf vorzubereiten“, fügte der Physiknobelpreisträger versöhnlicher bei der Vorstellung des Buches am Dienstagabend in Berlin hinzu.

Doch selbst im günstigsten Fall steht der Menschheit eine radikale Wende bevor, wenn in wenigen Jahrzehnten die fossilen Energierohstoffe wie Öl und Kohle knapp werden, betonte Laughlin. Wer glaube, dass es in 200 Jahren noch Autos geben wird?, fragte er ins Publikum. Und Flugzeuge? Und elektrischen Strom? Die überwiegende Mehrheit hob bei jeder Frage den Arm – ein Ergebnis, das der Autor von anderen Lesungen in aller Welt kannte. Die Gründe dafür sind eine Mischung aus Mobilität, Bequemlichkeit, Status oder im Fall von Strom nicht weniger als das Überleben in einer modernen Gesellschaft.

„Das sind drei Dinge, die die Menschen einfach haben wollen und dafür jeden Preis zu bezahlen bereit sind“, argumentiert der Amerikaner. Darum werden wir auch künftig kohlenstoffbasierte Treibstoffe benötigen. „Sonst kann das Ding hier nicht abheben“, sagte Laughlin und tippte auf das Foto eines Flugzeugs. Denn nur kohlenstoffbasierte Treibstoffe bieten eine hohe Energiedichte und sind zugleich einfach in der Handhabung. Der explosive und nur mühsam in Tanks zu haltende Wasserstoff ist aus Sicht des Physikers keine Zukunftsoption, und schwere Batterien erst recht nicht. Doch woher soll der Treibstoff kommen, wenn die verbleibenden Ölvorkommen auch bei Höchstpreisen nicht mehr wirtschaftlich gefördert werden können? Dann muss synthetischer Kraftstoff aus Kohle oder Biomasse erzeugt werden. „Die Verfahren sind seit den 1920er Jahren bekannt, sie sind derzeit nur noch nicht wirtschaftlich.“

In jedem Fall, das steht für ihn fest, wird der Kohleabbau nach dem Ende des Öls – so in hundert Jahren – massiv zunehmen. Wenn dieser Rohstoff ebenfalls aufgebraucht ist, bleibt Laughlins Ansicht nach nur noch Biomasse und womöglich das Kohlendioxid der Luft, um an den gewünschten Kohlenstoff zu kommen. Harte Zeiten.

Auch was die Stromversorgung betrifft, sind die Prognosen des Physikers düster. Heute wie in Zukunft herrsche das Preisdiktat: Strom muss billig sein. Andernfalls könne es durchaus vorkommen, dass Regierungen gestürzt werden, was er mit dem Beispiel Kalifornien illustrierte, wo der Gouverneur Gray Davis 2003 unter anderem aus diesem Grund abgewählt wurde. Und deshalb werde es weiterhin Kernkraftwerke geben, die billigen Strom produzieren, argumentiert Laughlin. Für die deutsche Ausgabe seines Buches hat er übrigens eigens ein Vorwort geschrieben, in dem er erklärt, dass es „kein getarnter Aufruf für mehr Kernreaktoren“ sei. Selbst wenn die Menschheit diese Technik jetzt verbannt, werde sie in ein paar Generationen wieder aufgegriffen, glaubt er. „Sie ist sauber und sicher“, werden die Verfechter sagen, prophezeit Laughlin. „Und die Leute werden zustimmen, denn es ist das, was sie in dem Moment hören wollen.“

Buchtipp: Robert B. Laughlin: Der Letzte macht das Licht aus – Die Zukunft der Energie. Piper-Verlag, 400 Seiten, 22,99 Euro.

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