Erbgutanalyse : Die Gentests von 23andMe sind zu unsicher

Die US-Zulassungsbehörde FDA verwarnt die Firma. Werbung und Verkauf der umstrittenen Erbgut-Selbsttests sind bis auf weiteres untersagt.

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Zeppelin mit 23andMe-Werbung
Bruchlandung. Die Firma 23andMe will hoch hinaus. Doch die FDA schiebt den vollmundigen Versprechen vorerst einen Riegel vor.Foto: dpa

Die Firma 23andMe darf nicht mehr für ihre 99-Dollar-Erbgutuntersuchung (Screening) werben oder sie anbieten. Das ordnete die US-Zulassungsbehörde FDA am Montag an. Die Firma habe trotz aller Mahnungen seit 2009 keine Beweise dafür erbracht, dass der Gentest ausreichend wissenschaftlich überprüft wurde. Falsche oder falsch verstandene Ergebnisse des Erbgutscreenings könnten jedoch die Gesundheit der Konsumenten gefährden, die eine Speichelprobe an die Firma schicken und später im Netz Informationen über ihr Erbgut abrufen.

23andMe-Mitgründerin Anne Wojcicki hatte im September angekündigt, dass bald eine Million Nutzer durch den Test von einer personalisierten Medizin profitieren sollen. Er könne für Dutzende Medikamente vorhersagen, wie der Körper reagieren werde. Es sind solche und ähnliche Anwendungen, die der FDA Sorgen bereiten. Die Firma werbe damit, dass das Erbgutscreening Hinweise auf 254 Krankheiten aufdecke, zum Beispiel ob ein Mensch Risikogene in sich trägt und welche Vorbeugung nötig sei. Dass dabei auch nach Veränderungen in den BRCA-Genen gefahndet wird, die zu Brust- oder Eierstockkrebs führen, sei besonders fragwürdig. Die Folgen eines falschen Ergebnisses seien massiv – bis zur vorsorglichen Abnahme der Brüste. Die Aussage über die Wirksamkeit von Medikamenten könnte Patienten dazu ermuntern, ihre Arznei eigenständig abzusetzen oder die Dosis zu verändern.

Das Erbgut-Screening ist seit Jahren umstritten. Forscher vom Erasmus Medical Center in Rotterdam zeigten, dass die Ergebnisse verschiedener Firmen für dieselbe Person völlig andere sein können. Es sei, als würde man eine Münze werfen.

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