Erdbeobachtung mittels Satelliten : „Sentinel“ ist startklar

"Sentinel-1A" soll heute von Kourou aus abheben. Der europäische Satellit ist der Auftakt für eine neue Ära der Erdbeobachtung.

In Spähposition. Sentinel-1A soll knapp 700 Kilometer über der Erde fliegen.
In Spähposition. Sentinel-1A soll knapp 700 Kilometer über der Erde fliegen.Foto: ESA/ATG medialab

Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana soll am heutigen Donnerstag um 23.02 Uhr (MESZ) der erste Satellit des europäischen Copernicus-Programms zur Erd- und Umweltbeobachtung abheben. „Sentinel-1A“ kann mithilfe von Radartechnik die Oberfläche des Planeten selbst nachts und durch Wolken hindurch beobachten. Die Daten können etwa helfen, Veränderungen des Eises an den Polen zu verfolgen.

Sentinel-1A kann aber auch bei Naturkatastrophen wie Überflutungen die Arbeit von Rettungskräften unterstützen. Auch trüben weder Tageszeit noch Wetter den Radar-Blick der Satelliten - bei Wolken und Regen kann das moderne Radarinstrument an Bord der Satelliten ebenso Aufnahmen der Erdoberfläche fertigen wie in der Dunkelheit.

Sentinel-1A ist der erste Satellit in einer ganzen Flotte von Erdbeobachtern der europäischen Weltraumagentur Esa, die in den kommenden Jahren im Zuge des Copernicus-Programms ins All geschossen wird. Hinter Copernicus, einem Gemeinschaftsprojekt von Europäischer Kommission und Esa, verbirgt sich das größte bislang entworfene Erdbeobachtungsprogramm. Sein Ziel ist, den aktuellen Zustand des blauen Planeten kontinuierlich zu erfassen und Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landoberflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln. Das Besondere: Die Daten sind öffentlich zugänglich für Behörden, Unternehmen und Bürger und sollen gerade bei Gefahrensituationen möglichst schnell zur Verfügung gestellt werden.

2015 soll der baugleiche Satellit Sentinel-1B starten. Gemeinsam werden sie etwa vulkanische Aktivitäten sowie Erdbeben und Erdrutsche verfolgen. Zudem werden sie das Meer beobachten, um Behinderungen durch Meereis oder Ölverschmutzungen frühzeitig zu erkennen und damit die Schifffahrt sicherer zu machen.

Die Daten der Satelliten dürften sich bei Katastropheneinsätzen als ausgesprochen hilfreich erweisen. Denn wenn bei humanitären Hilfseinsätzen Informationen in kurzer Zeit benötigt werden, können die innerhalb von 60 Minuten verfügbaren Sentinel-1-Bilddaten wichtige Aufschlüsse über die aktuelle Lage und Entwicklung geben.
Wenn beide Sentinel-1-Satelliten im Erdorbit sind, werden sie innerhalb von sechs Tagen einmal die komplette Oberfläche des Planeten erfassen. Ihre Daten schicken sie zur schnellen Verarbeitung an Bodenstationen rund um den Globus.

In den Folgejahren starten die Sentinel-2 bis -4. Sie liefern hochauflösende Kamerabilder der Erdoberfläche sowie Messungen der Temperatur der Meeresoberfläche. Sentinel-5 soll ab 2021 die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren. AFP

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