Exzellenz-Initiative : Ministerin: Pegida könnte TU Dresden schaden

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange sieht den Exzellenz-Standort Dresden durch Pegida gefährdet - und fordert mehr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit.

Christine Keilholz
Studierende stehen vor einem Lageplan der TU Dresden.
Wohin? Die TU Dresden ist seit 2012 eine von elf deutschen Exzellenzuniversitäten und die einzige in Ostdeutschland. In der...Foto: dpa

Fremdenfeindliche Aufmärsche und Dresdens Ruf als Pegida-Hochburg könnten der TU Dresden den Elite-Titel kosten, fürchtet Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). „Wir müssen zusehen, dass wir nicht nur an dem Image arbeiten, sondern tatsächlich daran, dass sich die Leute sicher fühlen können hier und tatsächlich auch sicher sind“, sagte Stange dem Tagesspiegel. Dresden und die Dresdner müssten mehr Haltung zeigen: „Wenn ich Berichte höre, dass die Leute auf der Straße oder in der Straßenbahn angepöbelt werden, dann müssen wir klar sagen, dass das nicht Dresden ist und nicht zu unseren Werten gehört.“ In Medienberichten war im vergangenen Jahr mehrfach die Rede von Anfeindungen in der Öffentlichkeit, denen afrikanische oder asiatische Studierende in Dresden ausgesetzt waren.

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Pegida-Anhänger und Gegner in Dresden auf der Straße
Pegida-Anhänger und Gegner in Dresden auf der Straße

"Große Belastung für unsere Wissenschaftseinrichtungen"

Die Folgen der Fremdenfeindlichkeit in Sachsen und seiner Landeshauptstadt machen sich längst an den Forschungsinstituten bemerkbar. Internationale Wissenschaftler sind vorsichtig geworden, seitdem die selbst ernannten Abendlandretter von Pegida montags durch die Straßen ziehen. Das waren zuletzt zwar nur noch 2000 statt zu Spitzenzeiten 25 000. Trotzdem: Der Imageschaden haftet an der Stadt und macht sich gerade bei den internationalen Wissenschaftlern bemerkbar. Eva-Maria Stange sieht darin eine „große Belastung für unsere Wissenschaftseinrichtungen“.

TU Dresden für ein weltoffene und tolerante Stadt

Sorgenvoll blickt sie vor allem auf die TU Dresden, den ostdeutschen Leuchtturm in der Exzellenzinitiative. Die Uni will ihr 2012 errungenes Elite-Siegel in der Neuauflage der Exzellenzinitiative verteidigen. Ein wichtiges Kriterium dafür dürfte weiterhin der Grad der Internationalisierung einer Universität sein. TUD-Rektor Hans Müller-Steinhagen hatte schon im Dezember 2014 gewarnt, die Pegida-Demonstrationen konterkarierten „alle Aktivitäten der TU Dresden für ein weltoffenes und tolerantes Dresden“.

Ein Mann hält ein Schild mit der Aufschrift "... einer der mehr als 500000 Dresdner, die nicht zu Pegida gehen".
Protest. Der TUD-Rektor initiierte die Aktion #IchbinDresden.Foto: twitter.com/tudresden

Im vergangenen Herbst initiierte Müller-Steinhagen zusammen mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) die Internetaktion „#IchbinDresden“. Dabei hielt der 62-Jährige ein Schild mit der Aufschrift „Einer von mehr als 500 000 Dresdnern, die nicht zu Pegida gehen“. Auch etliche andere Wissenschaftler hatten sich an der Aktion beteiligt.

Wie Exzellenz ausgefüllt wird

Die TU beschäftigt Wissenschaftler aus 70 Ländern. Nach Aussagen Müller-Steinhagens ist es aber schon vereinzelt vorgekommen, dass jemand aus Angst seinen Vertrag nicht verlängern wollte. „Das ist kein Massenphänomen“, sagt Ministerin Stange. „Aber exzellente Wissenschaftler sind auch kein Massenphänomen. Es ist traurig und schade, wenn sie uns verlassen oder nicht zu uns kommen.“

Wenn am 16. Juni die Ministerpräsidentenkonferenz über die Ausgestaltung der künftigen Exzellenz-Initiative entscheidet, muss sich auch Dresden für die nächste Runde neu aufstellen. Exzellenz kann nur ausgefüllt werden, „wenn es gelingt, exzellente Wissenschaftler hierher zu holen“ – etwa zu Kongressen, sagt Stange. „Die müssen mit offenen Armen empfangen werden.“

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