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FDA lässt Sexpille Addyi zu : Die Wirkung von „Viagra für die Frau“ ist umstritten

In den USA kommt erstmals eine Sexpille für Frauen auf den Markt. Doch Kritiker bezweifeln den Nutzen des Wirkstoffs. Sie wittern eine pharmagesteuerte Kampagne.

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Der Wirkstoff Flibanserin soll Frauen helfen, die unter geringem sexuellem Interesse leiden.
Stimuliert. Der Wirkstoff Flibanserin soll Frauen helfen, die unter geringem sexuellem Interesse leiden.Foto: dpa

Viagra, die Potenzpille für den Mann, ist blau. Flibanserin, die Sexpille für die Frau, ist pink. Aber in dieser Farbsymbolik erschöpfen sich schon fast die Gemeinsamkeiten der beiden Substanzen, abgesehen davon, dass beide durch Zufall entdeckt wurden. Sildenafil, der Viagra-Wirkstoff, unterstützt die Erektion des Penis – vorausgesetzt, der Mann empfindet Lust. Dagegen soll Flibanserin eben diese Lust bei der Frau erst erzeugen, indem es in den Stoffwechsel des Gehirns eingreift. Und während Viagra 1998 in den USA rasch zugelassen wurde, benötigte Flibanserin drei Anläufe, um Anfang Juni zumindest die Gutachter der US-Zulassungsbehörde FDA zu einem halbherzig positiven Votum zu bewegen. Mit Erfolg: Am Dienstag genehmigte die FDA das „Viagra für die Frau“, das unter dem Namen Addyi auf den Markt kommen soll.

Abfallprodukt der Herzmedizin

Viagra ist ein „Abfallprodukt“ der Herzmedizin, Flibanserin wurde zunächst als Mittel gegen Depressionen erprobt. Dabei versagte es zwar, doch stellte sich heraus, dass die Substanz die sexuelle Lust der Versuchspersonen stimulierte. Das geschieht über Botenstoffe im Bereich der Hirnrinde. Flibanserin verschiebt das Gleichgewicht zwischen dem die Sexualität eher hemmenden Botenstoff Serotonin und den fördernden Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin zugunsten der Letzteren.

Boehringer Ingelheim, der deutsche Entwickler von Flibanserin, erprobte das Mittel bei Frauen, die unter sexuellem Desinteresse litten. Allerdings konnte die Firma die Zulassungsbehörde FDA 2010 nicht von der Wirksamkeit bei gestörter Libido überzeugen. Die FDA-Gutachter sprachen sich einhellig gegen die Substanz aus. Das Pharmaunternehmen verkaufte daraufhin die Rechte an dem Wirkstoff an Sprout Pharmaceuticals in Raleigh, North Carolina. Sprout war eigens zu dem Zweck gegründet worden, Flibanserin zu vermarkten.

Erfolg erst im dritten Anlauf

Auch Sprout scheiterte 2013 zunächst an der FDA, legte aber Berufung ein und konnte nun die Gutachter mit 18 Pro-Stimmen (bei sechs Gegenstimmen) hinter sich bringen. Nach den von Sprout vorgelegten drei Untersuchungen hatten Frauen, die 100 Milligramm Flibanserin täglich vor dem Schlafengehen einnahmen, pro Monat durchschnittlich 0,5 bis ein zusätzliches sexuell erfüllendes Erlebnis, bei einem Ausgangswert von zwei bis drei „Ereignissen“ pro Monat. In einem Index, der weibliche Sexualfunktion ermittelt, ergab sich eine Verbesserung um 0,3 bis 0,4 auf einer Skala von 1,2 bis 6. Negativer Stress in Zusammenhang mit Sexualität verminderte sich.

„Der Nutzen ist bescheiden, vielleicht sogar weniger als bescheiden“, sagte der Gutachter Walid Gellad von der Universität Pittsburgh. „Damit ist dieser Wirkstoff in guter Gesellschaft mit anderen zugelassenen Medikamenten.“

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