Forschung in Griechenland : Berliner Forscher unterstützen griechische Kollegen

Die griechischen Unis leiden unter der Eurokrise. Jetzt haben zwei Berliner Wissenschaftler eine eigene Hilfsinitiative gestartet.

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Griechische Studierende protestieren gegen Sparmaßnahmen.
Studenten protestieren im Januar 2014 gegen drastische Kürzungen an griechischen Hochschulen.Foto: picture alliance / dpa

Die Situation an Griechenlands Universitäten ist desolat. Geld für Forschungsprojekte, Labormittel, Bibliotheken, auch die Gehälter der Hochschulmitarbeiter sind seit Beginn der Eurokrise massiv gekürzt worden. Selbst die Zahlungen für das Internetportal „Hellenic Academics Libraries Link“ stellte die Regierung im Frühjahr ein. Das Portal ermöglichte den Universitäten einen Zugriff auf Fachzeitschriften. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Griechenland sind von der internationalen scientific community buchstäblich abgeschnitten.

Forschungsförderung geht gegen Null

Zwar sollen griechische Forscher bald wieder das Portal nutzen können. Doch damit wäre die Krise, die die griechische Wissenschaft im Kern bedroht, bei Weitem nicht abgewendet. Auch in Deutschland sorgen sich viele Forscher an Hochschulen und außeruniversitären Instituten um die Zukunft ihrer Kolleginnen und Kollegen und um die vielfältigen deutsch-griechischen Wissenschaftsbeziehungen. Doch wie könnte man helfen: mit einem Aufruf, einem Hilfsfonds oder mit Crowdfunding?

Helfen wollen auch Sonja Brentjes und Dieter Hoffmann vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Dahlem. Die jüngsten Verhandlungen in Brüssel waren für sie der Anstoß, aktiv zu werden: „Wir waren schockiert, wie hier mit einem EU-Land umgegangen wurde. Man zerschlägt mit den Kürzungen Porzellan.“ Wie nötig Hilfe ist, erfuhren Brentjes und Hoffmann kürzlich von einem Kollegen an der Universität von Athen. „Die Förderung für Forschung geht gegen null, das gilt vor allem für unseren exzellenten jungen Nachwuchs“, schreibt Wissenschaftshistoriker Kostas Gavroglu. Bedroht seien insbesondere die Geistes- und Sozialwissenschaften und die Hochschulen abseits der großen Zentren Athen und Thessaloniki. „Bewegt“ dankt Gavroglu den Berliner Freunden – „für eure Solidarität mit den griechischen Forschern und eure Bereitschaft zu helfen“.

Stiftung unterstützt vor allem kleine Forschungsprogramme

Doch was kann konkret getan werden? Der Athener Professor hat sich umgehört, bittet um Tipps, um welche Projektmittel und Stipendien deutscher Institutionen man sich bewerben könne. Und er berichtet von einer Selbsthilfe-Initiative. Mit einem Kreis von Professoren aus den Geisteswissenschaften hat Gavroglu Anfang des Jahres eine Stiftung gegründet, das „Research Center for the Humanities“. Finanziert wird es durch die Nachlassstiftung des griechischen Unternehmers John S. Latsis. Mit jährlich bis zu 10 000 Euro pro Projekt sollen vor allem notleidende Nachwuchswissenschaftler und kleine Forschungsgruppen unterstützt werden. 314 Bewerbungen seien in der ersten Runde eingegangen, schreibt Gavroglu, aber derzeit könnten nur zehn finanziert werden. Deshalb werde auch Hilfe von außen gebraucht. Man suche Kooperationspartner aus dem europäischen Ausland, die Kollegen zum Austausch, zu Konferenzen und Workshops einladen, wünsche sich Skype-Kontakte, über die etwa Forschungsprojekte zur Diskussion gestellt werden können. Unter den ersten Unterstützern aus Deutschland ist das Berliner „Centrum Modernes Griechenland“ an der Freien Universität.

Brentjes und Hoffmann wollen in der deutschen scientific community für die Sache der griechischen Kollegen werben. Und sie haben die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) für ein verstärktes Engagement gewonnen. Mit dem Anliegen, schnell und unbürokratisch zu helfen, habe man dort „offene Türen eingerannt“, sagt Brentjes. Die Stiftung hat nun an 80 Stipendiaten in Griechenland geschrieben, deren Aufenthalte an deutschen Unis in jüngerer Zeit gefördert wurden. Sie werden ermuntert, an ihren Heimateinrichtungen aktiv für bestehende Fördermöglichkeiten zu werben. Dazu gehören dreimonatige Forschungsaufenthalte oder die Finanzierung einer Konferenzteilnahme in Deutschland.

Zeichen der Solidarität

Man werde eingehende Anträge „wohlwollend“ begutachten, sagt Steffen Mehlich, Leiter der AvH-Förderabteilung. Griechische Forscher könnten sich jetzt auch für Programme bewerben, die Wissenschaftlern aus Westeuropa eigentlich nicht offenstünden. „Wir verstehen das als Zeichen der Solidarität.“

Auf Anregung der Humboldt-Stiftung hat zudem die Allianz der Wissenschaftsorganisationen das Thema „Hilfe für Griechenlands Universitäten“ auf die Agenda ihrer Novembersitzung gesetzt. Dabei könnte es um die Frage gehen, wie mögliche neue und schon existierende Hilfsmaßnahmen koordiniert werden können.

So fördert das Bundesforschungsministerium seit 2012 gut 20 bilaterale Forschungsprojekte in Kooperation mit dem griechischen Bildungsministerium. Eine Neuauflage des Programms, das im Winter 2015/16 endet, ist in Vorbereitung. Vom Auswärtigen Amt fließen zudem Mittel in den „Zukunftsfonds“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Zum einen werden damit im „Hochschuldialog Südeuropa“ Austauschbeziehungen mit Unis in Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern finanziert – seit 2013 mit 1,5 Millionen Euro. Zum anderen wurden spezielle deutsch-griechische „Hochschulpartnerschaften“ mit 2,5 Millionen Euro unterstützt.

Die Mittel aus solchen Kooperationen erreichen allerdings nur die großen Unis in den Zentren, haben Brentjes und Hoffmann erfahren. Über ihre Kontakte recherchieren sie derzeit etwa auch, was die kleine Universität auf Samos braucht.

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