FU-Gründungsstudent Helmut Coper ist tot : Sie wollten eine freie Universität

Er trug die Matrikelnummer 2 der Freien Universität Berlin, gehörte 1948 zu den Gründungsstudenten und war der erste Asta-Vorsitzende der FU. Jetzt ist Helmut Coper im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Studenten sitzen an einem Gartentisch im ersten Immatrikulationsamt der FU.
An einem Gartentisch nahmen Gründungsstudenten die ersten Immatrikulationen entgegen.Foto: Universitätsarchiv/Fritz Eschen

Die Gründung der Freien Universität war für Helmut Coper bis zuletzt „wie ein Wunder“. Ein Wunder, an dem er selber maßgeblich mitgewirkt hatte. 1948, während der Berlin-Blockade aus dem Nichts eine Universität zu schaffen – das ist das Verdienst des damaligen Medizinstudenten Helmut Coper und seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Wie etliche Gründerstudenten hatte Helmut Coper im Nationalsozialismus einen Leidensweg hinter sich: Als „Halbjude“ musste er in den Zwangsarbeiterkolonnen der Organisation Todt unter unmenschlichen Bedingungen Militäranlagen errichten. Gegen politische Indoktrination waren diese Studierenden immun. Sie lehnten sich auf, als die sowjetische Besatzung und ihre deutschen Handlanger alles daran setzten, in der Universität Unter den Linden den Lehrkörper zu säubern und eine Zulassungspolitik für die künftigen Studenten nach ideologischen Kriterien einzuleiten.

Helmut Coper
Helmut Coper (1925 bis 2013)Foto: Bernd Wannenmacher

Zum großen Bruch kam es, als in der Studentenzeitschrift „Colloquium“ die politischen Hintergründe der Rektorenwahl in Ost-Berlin entlarvt wurden. Paul Wandel, Leiter der kommunistischen Zentralverwaltung für Volksbildung, ließ den drei verantwortlichen Autoren die Studienerlaubnis entziehen. Als am 23. April 1948 am Potsdamer Platz 1500 Studierende dagegen protestierten, wurde zum ersten Mal die Schaffung einer „freien Universität“ in den Westsektoren der Stadt gefordert. Gegründet wurde die Freie Universität mitten im Blockadewinter am 4. Dezember.

Helmut Coper war gemeinsam mit seinem Medizin-Kommilitonen Stanislaw Kubicki einer der Gründungsstudenten, die auf dem künftigen Dahlemer Campus die ersten Tische und Stühle in die Seminarräume schleppten, Spenden von Berliner Bürgern entgegennahmen und Strukturen wie das Immatrikulationsbüro schufen. Um die ersten Matrikelnummern warfen die Freunde eine Münze; Kubicki wurde Nummer 1, Coper Nummer 2.

Zum ersten Asta-Vorsitzenden wurde dann Helmut Coper gewählt. Mit diesem Amt war er zugleich einer der Verhandlungspartner für den damaligen Bürgermeister Ernst Reuter (SPD) und für die Amerikaner, die neue Universität massiv unterstützten.

Mit Bürgermeister Reuter über den Geist der Uni diskutiert

Die große Rolle der Studierenden bei der Gründung führte dazu, dass sie mehr Rechte als an jeder anderen deutschen Universität erhielten. Ihre Vertreter wirkten bei der Auswahl der aufzunehmenden Studenten mit. In einem Gremium, in dem Politiker und Universitätsvertreter saßen, diskutierten die Studenten mit Bürgermeister Reuter über Investitionen – und den Geist der neuen Universität. Die Studierenden der FU hatten schon früh nicht nur im Kuratorium Sitz und Stimme, sondern auch im Akademischen Senat und in den Fakultäten. Dieses „Berliner Modell“ war Vorbild und Schrecken zugleich in den hochschulpolitischen Streitigkeiten der 60er und 70er Jahre.

Der Mediziner Helmut Coper blieb seiner Universität zeitlebens eng verbunden. Er promovierte und habilitierte sich an der FU – wie auch Stanislaw Kubicki auf dem Gebiet der Neurologie. 1967 wurde Coper an der FU Direktor des deutschlandweit ersten Instituts für Neuropharmakologie, profilierte sich unter anderem in der Sucht- und Demenzforschung. Aktiv blieb Coper auch in der Hochschulpolitik. In späteren Jahren entschied er als Vertreter der Professoren im FU-Kuratorium über die wesentlichen Entwicklungen seiner Universität mit.

Die Aufbruchstimmung riss ihn mit

Für die Freie Universität war Helmut Coper auch ein wichtiger und häufig befragter Zeitzeuge. Als „Held“ der Gründerjahre aber wollte er sich nie feiern lassen, sprach lieber von der Aufbruchsstimmung und von der Zuversicht, die ihn und viele andere damals mitgerissen haben. Am 30. August ist Helmut Coper im Alter von 87 Jahren in Berlin gestorben.

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