Gastbeitrag : Der Fundamentalismus der anderen

21.06.2012 12:22 UhrVon Wolfgang Benz
Anhänger der rechtsextremen und islamfeindlichen Splitterpartei Pro NRW protestieren am 9. Juni in Köln gegen eine von Salafisten organisierte Kundgebung. Foto: dapd
Anhänger der rechtsextremen und islamfeindlichen Splitterpartei Pro NRW protestieren am 9. Juni in Köln gegen eine von Salafisten organisierte Kundgebung. - Foto: dapd

Aufstand gegen die Moderne: Radikale Antworten auf die Probleme des 21. Jahrhunderts suchen nicht nur die Salafisten, sondern auch islamfeindliche Populisten. Diese Strömungen sind eine Gefahr für demokratische Gesellschaften.

Vor kurzem hatten die meisten noch nie von ihnen gehört, von den traditionalistischen Muslimen im altertümlichen Gewand, die als Werbegag Koranexemplare verteilen und fanatisch ihren Glauben propagieren. Jetzt gelten die Salafisten als allgegenwärtige Inkarnation eines radikalen islamischen Fundamentalismus.

Mit Fundamentalismus wurde ursprünglich eine konservative theologische Richtung im Protestantismus bezeichnet, die das Fundament ihres Glaubens gegen den Zeitgeist verteidigte.

Im erweiterten Verständnis gilt auch das kompromisslose Festhalten an politischen Grundsätzen als Fundamentalismus. Konnotiert sind mit dem Begriff eindimensionale Weltsicht, Engstirnigkeit, Intoleranz, Fanatismus und Obskurantismus.

Bildergalerie: Salafisten verteilen Koran in Deutschland

Ein Wesenselement des Fundamentalismus besteht im autoritären Patriarchalismus; als richtige Sozialordnung gilt in nahezu allen Ausprägungen die gottgewollte Dominanz des Mannes in der patriarchalisch strukturierten Familie, nicht das gleichberechtigte Individuum in der pluralistischen Gesellschaft. Trotzdem gelingt die politische Mobilisierung von Frauen durch und für fundamentalistische Bewegungen immer wieder.

Der „Aufstand gegen die Moderne“ der Fundamentalisten findet längst auf vielen politischen und gesellschaftlichen Ebenen statt. Der in Europa relativ neuen Erscheinung fundamentalistischer Muslime stehen erstarkende Bewegungen gegenüber, die sich auf ihre westlich-christlichen Wurzeln berufen. Populisten und Demagogen beschwören fundamentale Werte mit eingängigen Parolen („Abendland in Christenhand“ – „Heimat statt Minarette“). Sie bedienen damit Vorurteile und stiften Feindbilder gegen Minderheiten. Toleranz als zentrales Element demokratischen Selbstverstehens wird von Fundamentalisten bekämpft, da ihr Weltbild keinen Interessenausgleich und keine Verständigung durch Kompromisse zulässt.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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