Wissen : „Gentests an Embryonen erlauben“

Giordano-Bruno-Stiftung fordert Freigabe der PID

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ermöglicht es, genetische Schäden bei einem in der Petrischale erzeugten Embryo vor der Einpflanzung in die Gebärmutter festzustellen. Ob und in welchem Umfang die PID künftig erlaubt werden soll, darüber muss der Bundestag in den nächsten Monaten entscheiden. Für eine Freigabe hat sich nun die humanistische Giordano-Bruno-Stiftung ausgesprochen. Grundsätzlich sollten alle Menschen, die den beschwerlichen Weg der künstlichen Befruchtung wählen, die Möglichkeit zur PID haben, heißt es in einer Stellungnahme der Ethikkommission der Stiftung, die den Mitgliedern des Deutschen Ethikrats zugestellt wurde.

„In einem liberalen Gemeinwesen sollten mündige Bürgerinnen und Bürger tun und lassen dürfen, was sie wollen, solange es ihnen nicht mit guten Gründen verboten werden kann“, heißt es in dem Gutachten. Solche „guten, verallgemeinerungsfähigen Gründe“ gebe es weder für ein Verbot der PID noch für die von einigen Politikern vorgeschlagene Beschränkung der PID etwa auf Paare, deren erbliche Vorbelastung erwiesen ist. Die Kommission setzt sich mit Argumenten gegen die PID auseinander. Die Annahme, frühe Embryonen besäßen die „volle Menschenwürde“, beruhe auf religiösen Überzeugungen, die nicht allgemeingültig seien. Zwar stehe es jedem frei, Präimplantationsdiagnostik als „Sünde“ zu verurteilen, doch niemand habe das Recht, diese Sichtweise Anderen aufzuzwingen. Mit den Grundsätzen einer Demokratie sei es nicht vereinbar, „dass der Staat seinen Bürgern eine bestimmte weltanschaulich gebundene Vorstellung vorschreibt“.

Bezweifelt wird, dass aussondernde Präimplantationsdiagnostik dem „Lebensinteresse von Embryonen“ zuwiderlaufe. Es sei offensichtlich, dass Embryonen, die nichts spüren und bei minus 196 Grad konserviert werden können, kein subjektives Lebensinteresse besitzen.

Auch das Argument, die Auswahl gesunder Embryonen laufe auf eine Herabsetzung von Behinderten hinaus, hält die Kommission für verfehlt: „Die Annahme, dass die Vernichtung befruchteter Eizellen mit genetischen Defekten zur Diskriminierung von Behinderten führt, ist ähnlich absurd wie die Forderung nach Abschaffung der Impfung gegen Kinderlähmung, weil diese eine Diskriminierung von Menschen mit Kinderlähmung zur Folge haben könnte.“ Behinderte und Kranke verdienten volle Unterstützung, Behinderung und Krankheit nicht. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben