Gleichstellung : Frauen in die Forschung

Deutschland hat zu wenig Professorinnen, meint die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Darum hat sie jetzt neue Maßnahmen beschlossen.

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Frau als Ausnahme. Noch 78 Prozent der Professuren sind in Deutschland von Männern besetzt.
Frau als Ausnahme. Noch 78 Prozent der Professuren sind in Deutschland von Männern besetzt.Foto: Fabian Stratenschulte/dpa

Der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geht es mit der Gleichstellung von Frauen in der Wissenschaft nicht schnell genug voran. Mit neuen Maßnahmen will sie nun stärker auf die Hochschulen einwirken. Einen entsprechenden Beschluss fasste sie in der vergangenen Woche. Der Professorinnenanteil liegt bei 22 Prozent (ohne Juniorprofessorinnen). Nach Wahrnehmung der DFG bleibt Deutschland damit hinter seinen Möglichkeiten zurück. „Das bedeutet einen Verlust an Exzellenz und Effizienz“, erklärte Dorothee Dzwonnek, die Generalsekretärin der DFG.

Im Mittelpunkt steht, dass die Mitgliedshochschulen der DFG nun ihre Selbstverpflichtung erneuern, die „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ in ihre Abläufe zu implementieren. Diese Standards gelten bereits seit 2008. Die Unis sollten Maßnahmen ergreifen, um ihre Frauenanteile zu erhöhen, etwa, indem sie das Thema Gleichstellung auf der Ebene des Präsidiums verankern, Mentoringprogramme auflegen und dafür sorgen, dass Professorinnen in Berufungskommissionen vertreten sind.

Konnten die Gleichstellungsstandards im Jahr 2008 nur gegen heftigen Widerstand durchgesetzt werden, treffen sie „inzwischen auf breiten Konsens“, wie eine Studie einer DFG-Arbeitsgruppe zeigte. Ein „Kulturwandel“ sei angestoßen worden. Damit die Unis nicht nachlassen, sollen sie sich in Zukunft wechselnde Schwerpunktthemen wählen – etwa Maßnahmen zur Frauenförderung in der Postdoc-Phase –, und darüber alle zwei bis drei Jahre Bericht erstatten.

Die DFG will auch ihre eigenen Förderprogramme auf Hemmnisse für Frauen untersuchen

Das bisher mit den DFG-Standards einhergehende name-and-shame-Prinzip, entfällt fortan. Das heißt, es wird nicht mehr veröffentlicht, wie gut eine Uni bei der Gleichstellung vorankommt.

Neu ist ferner, dass die DFG nun ihre eigenen Förderprogramme systematisch daraufhin untersuchen will, ob auch sie Hemmnisse für Frauen enthalten. So wurde bereits beschlossen, die Anforderungen im renommierten Emmy Noether-Programm zu verändern. Das vom wissenschaftlichen Nachwuchs verlangte Auslandsjahr entfällt als familienfeindlich. Frauen sollen in DFG-Verfahren stärker an der Begutachtung beteiligt werden. Die DFG will in ihren Gremien einen Frauenanteil von 30 Prozent erreichen.

Was geschieht, wenn Unis die Gleichstellungsstandards ignorieren? Diesen Fall hält man bei der DFG für unwahrscheinlich: „Die Hochschulen haben sich ja selbst verpflichtet“, sagt Sonja Ochsenfeld-Repp, in der DFG-Geschäftsstelle für das Thema zuständig. „Darum müssen wir auch nicht mit Sanktionen arbeiten.“ Jedoch könnte eine Hochschule mit ihrem Antrag schlechtere Chancen bei der DFG haben, wenn sie das Thema Gleichstellung ignoriert – wobei Gleichstellung allerdings nur ein Kriterium unter vielen ist, wie Ochsenfeld-Repp betont: Entscheidend sei die Qualität eines Antrags. Das gleiche gelte für inhaltliche Gender-Aspekte: Die Gutachter können es kritisch bewerten, wenn ein Projekt Geschlechterunterschiede nicht untersuchen will, obwohl die eigene Fragestellung dies nahelegt. Derzeit werde geprüft, inwieweit die DFG das Thema Gender mittelfristig schriftlich in Begutachtungsleitfäden verankert wird.

Selbst wenn die DFG die Gleichstellung eher mit sanftem Druck voranbringen will, kommt dafür von Seiten der Frauenbeauftragten viel Lob: „Wir sind sehr angetan, dass das Thema Gleichstellung durch die DFG solches Gewicht an den Hochschulen bekommt“, sagt Mechthild Koreuber vom Vorstand der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen.

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