Hochschul-Barometer 2017 : Uni-Chefs wollen hohen Anteil an Befristungen

Neuer "Stimmungsbericht": Hochschul-Chefs wollen an einem hohen Anteil befristeter Stellen in der Wissenschaft festhalten - ein Ergebnis des Hochschul-Barometers 2017.

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Ein junger Mann steht vor Studierenden im Hörsaal und spricht zu ihnen.
Wer im Hörsaal vorne steht, ist häufig kein regulärer Hochschulmitarbeiter: 28 Prozent der Lehrveranstaltungen werden von Externen...Foto: IMAGO

Zwei von drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an staatlichen Hochschulen haben befristete Arbeitsverträge. Daran soll sich aus Sicht der Hochschulleitungen kaum etwas ändern, wie aus ersten Ergebnissen des Hochschul-Barometers 2017 hervorgeht, die der Stifterverband am Montag veröffentlichte. Auch in Zukunft sollte mehr als die Hälfte (57 Prozent) befristet beschäftigt sein, ergab die aktuelle Umfrage unter den Präsidenten und Rektoren staatlicher und staatlich anerkannter Universitäten und Fachhochschulen.

Damit widersprechen die Uni- und FH-Chefs politischen Initiativen für bessere Karriereperspektiven und einem gestärkten Mittelbau. Das führt der Stifterverband auf die „Flexibilität“ zurück, „die sich daraus bei Hochschulentwicklung und der Weiterqualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses ergibt“.

Was der Hochschulpakt gebracht hat - und was nicht

Der Hochschulpakt, mit dem seit 2007 über 750000 zusätzliche Studienplätze aufgebaut werden, hat die Perspektiven der Nachwuchswissenschaftler auf feste Stellen oder gar Professuren kaum verbessert. Denn die Mittel des Bund-Länder-Programms sind in den bislang drei Phasen jeweils befristet bewilligt worden. Sie drohen zudem 2023 auszulaufen. Die Hochschulen greifen folglich vielfach auf Lehrbeauftragte zurück, um die über 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland – über 40 Prozent mehr als vor zehn Jahren – zu betreuen. 28 Prozent der Lehrveranstaltungen werden laut Stifterverband von externen Kräften gegeben, an den privaten Hochschulen sind es 38 Prozent.

In der dritten Phase des Hochschulpaktes ab 2016 müssen Unis und Fachhochschulen zehn Prozent der Hochschulpakt-Mittel unter anderem dafür einsetzen, ihre Abbrecherquoten zu senken und mehr beruflich Qualifizierte (ohne Abitur) aufzunehmen. Auch danach fragt der „Stimmungsbericht“ des Hochschulbarometers: Nur 33 Prozent der Hochschulleitungen sehen eine Verringerung der Studienabbrüche, 40 Prozent verzeichnen Fortschritte beim Hochschulzugang. Eine große Mehrheit von 81 Prozent bescheinigt sich aber eine insgesamt verbesserte Studienqualität dank der Mittel aus dem Hochschulpakt. Und 47 Prozent erklären, einen höheren Anteil von Studienanfängern für die MINT-Fächer erreicht zu haben. Die gesamten Ergebnisse des Hochschulbarometers sollen im Herbst dieses Jahres veröffentlicht werden.

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