Hochschulen in Afrika : Afrikas akademische Exzellenz

Neues Wissen, alte Traditionen: Wie die Unis des Kontinents eine junge Elite hervorbringen wollen, und wie das deutsche Forschungsministerium das unterstützten will.

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Mit Vorsprung. Die fünf besten afrikanischen Hochschulen liegen in Südafrika, doch andere holen auf. Das Foto zeigt Studierende an der Universität von Kapstadt.
Mit Vorsprung. Die fünf besten afrikanischen Hochschulen liegen in Südafrika, doch andere holen auf. Das Foto zeigt Studierende an...Foto: AFP

Neema Eliphas Laizer hat es geschafft. Die junge Tansanierin hat eines von etwa 20 Stipendien ergattert, das ihr drei Jahre lang eine Vollzeit-Promotion an der südafrikanischen Stellenbosch-Universität ermöglicht. Dort finanziert die Gerda-Henkel-Stiftung über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 20 Stipendien im Jahr an der Graduiertenschule für Kunst- und Sozialwissenschaft. Damit unterstützt die Stiftung eine Partnerschaft von inzwischen acht Ländern – im Netzwerk Pangea (Partnership for Africa’s next Generation of Academics). „Wir wollen den Verlust von Akademikern in Richtung Norden stoppen“, sagte Cindy Lee Steenekamp, Direktorin der Graduiertenschule in Stellenbosch, am Dienstag in Berlin.

Das Dilemma des „afrikanischen Akademikers“ fasst Prinz Kum’a Ndumbe III., der lange in Berlin geforscht und gelehrt hat und vor kurzem nach Kamerun zurückkehren musste, so zusammen: „Sie arbeiten auf Abruf in ihren Ländern und warten nur darauf, nach Europa auszuwandern.“ Es gelinge den meisten afrikanischen Akademikern nicht, die „eigene Wissenschaftstradition mit dem neu gelernten Wissen zu verbinden“.

"Touristen wollen ständig Fotos von Maasai machen"

Genau das hat sich Neema Eliphas Laizer vorgenommen, sie will die nomadischen Kulturen in Ostafrika in den Blick nehmen. Zunächst wird sie die Darstellung von Maasai-Frauen in der Literatur – von Maasai-Schriftstellern, anderen afrikanischen und europäischen Autoren – untersuchen. Ihr geht es zudem um die geschlechtsbezogene Gewalt in Maasai-Dörfern. Die Maasai gelten westlichen Touristen wie in den ostafrikanischen Gesellschaften „nicht als Menschen sondern als Teil der wilden Tiere“, sagte sie. Die Maasai würden „ständig fotografiert“, und sie selbst löse irritierte Blicke und ungläubiges Staunen aus, wenn sie sage, dass sie selbst zu dem Volk gehört. „Sind das nicht die, die Blut trinken und halbnackt herumlaufen“, werde sie dann gefragt. Die junge Maasai will ihre Promotion dem Kampf gegen die Stereotypen widmen, die ihr Hirtenvolk treffen – wie übrigens die meisten nomadischen Gemeinschaften in Afrika, wie die südsudanesische Botschafterin Sitona Abdalla Osman einwarf.

Die junge Stipendiatin hat mit ihrem Auftritt in der südafrikanischen Botschaft schon mal beim Botschafter die Wahrnehmung verändert. Makhenkesi Arnold Stofile scherzte, es sei das erste Mal, dass er eine Maasai aus der Nähe sehe, und er sei erstaunt, „wie klein Sie sind“. Die Maasai gelten als hoch gewachsen.

Die Universitäten in Afrika sind noch jung

Die Initiative der Gerda-Henkel-Stiftung, die zum 100. Geburtstag ihrer Stifterin Lisa Maskell rund drei Millionen Euro in die Förderung junger Geisteswissenschaftler in Afrika und Südostasien investieren will, passt in die sich verändernde Hochschullandschaft in Afrika – und in die neue Förderpolitik der deutschen Bundesregierung. Prinz Kum’a Ndumbe III. wies darauf hin, dass die meisten Universitäten auf dem Nachbarkontinent erst nach der Unabhängigkeit gegründet worden sind. Lediglich in Südafrika und Ägypten gibt es eine lange akademische Tradition. Das waren übrigens auch die Länder, mit denen Deutschland schon in den 1970er Jahren, beziehungsweise seit 1994 eng kooperiert hat. Die Hochschulen mussten schnell eine große Bandbreite an wissenschaftlicher Expertise aufbauen, Studenten ausbilden und nach Wegen für eine stetige Finanzierung suchen. Speziell geistes- und sozialwissenschaftliche Forschungseinrichtungen werden nur geringfügig mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Das Graduiertenkolleg in Stellenbosch bezieht 90 Prozent seiner Mittel von außen; eine staatliche Förderung hat erst in diesem Jahr begonnen. Die Graduiertenschule wurde 2010 gegründet, 2012 waren die ersten Doktoranden mit ihren Arbeiten fertig. In einigen Unis, wie etwa der Makarere-Universität in Uganda, streicht die Regierung die Mittel, wenn ihr der kritische Ton der Forschung nicht passt. Das ist gerade erst wieder passiert. In anderen Ländern legen die Forschungsminister mehr Wert auf ingenieur- oder agrarwissenschaftliche Studien.

Transdisziplinäre Ansätze und neue Wege

Inzwischen entwickeln sich aber auch in Afrika mehr und mehr Institute, die einen transdisziplinären Ansatz pflegen. Dazu gehört die African University of Science and Technology (Aust) in Abuja. Sie ist das erste von mehreren Nelson-Mandela-Instituten und wurde 2007 in Nigeria gegründet. Ihr Präsident Wole Soboyejo hält wenig davon, im stillen Kämmerlein zu forschen. Er schickt seine Studenten in Dörfer, um gemeinsam mit den Bewohnern nach Lösungen für ihre Probleme zu suchen. Dabei herausgekommen ist beispielsweise ein organisches Licht erzeugendes Material, das noch weniger Strom verbraucht als moderne LED-Leuchten. Derzeit wird das auf seine Praxistauglichkeit getestet.

An der Universität Nairobi haben Wissenschaftler 2012 das Institut für Klimawandel und Anpassung gegründet, wo Natur- und Geisteswissenschaftler ebenfalls gemeinsam mit Dorfgemeinschaften nach Lösungen für Probleme suchen, die der Klimawandel auslöst. Diese Studenten zahlen für ihr Promotionsstudium, weil dem Institut, kaum war es gegründet, die Finanzierung für die geplanten Stipendien wegbrach. Die Open Society Foundation des amerikanischen Investors George Soros stieg unerwartet aus dem Projekt aus. Dennoch macht das Institut weiter – wenn auch mit weniger Studenten als gehofft. Der wichtigste Lernimpuls ist aus Sicht von Maggie Opondo, einer von vier Gründerinnen des Instituts, dass die Akademiker wieder Zuhören lernen und ihr „westliches“ Wissen mit dem traditionellen Wissen vor Ort verbinden.

Deutschland fördert Forschung in Afrika

Dazu passt, dass das deutsche Forschungsministerium inzwischen vor allem den Aufbau von Forschungseinrichtungen auf dem Kontinent fördert. 153,7 Millionen Euro hat das Ministerium 2013 mit den Wissenschaftsinstitutionen wie etwa den Akademien oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Afrika investiert. Der DAAD fördert aktuell knapp 4500 afrikanische Wissenschaftler in Forschungsprojekten oder individuell bei ihrer Promotion. Lediglich 50 von ihnen schließen ihre Doktorarbeit in Deutschland ab, rund 300 Wissenschaftler werden an afrikanischen Universitäten gefördert. Ministerium und DAAD haben in diesem Jahr neue Afrikastrategien erarbeitet. Beide wollen akademische Exzellenz in Afrika fördern.

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