HRK-Präsidentenwahl : Rektoren, raus aus den Hinterzimmern

Bei der Wahl zum Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sollte nicht gekungelt werden, sondern öffentlich gestritten, meint unser Gastautor Lothar Zechlin.

Lothar Zechlin
Lothar Zechlin, früherer Rektor der Universität Duisburg-Essen.
Lothar Zechlin, früher Rektor der Universität Duisburg-Essen, der Universität Graz und der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und...Foto: promo

Die Hochschulrektorenkonferenz ist die Interessensvertretung von knapp 270 Hochschulen in Deutschland und versteht sich deshalb als „die Stimme der Hochschulen“. Diese Stimme ist allerdings nur dann laut und deutlich zu vernehmen, wenn die Hochschulen Forderungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft richten. Sie ist hingegen auf stumm geschaltet, wenn es um die eigenen Angelegenheiten dieses Lobbyverbandes geht, an denen die Öffentlichkeit ein Interesse hat, zum Beispiel die Wahl seines Spitzenpersonals.

HRK-Wahl: Öffentlichkeit nicht gewünscht

Am 12. Mai soll in Kaiserslautern auf einer HRK-Mitgliederversammlung der Präsident für die neue Amtszeit bis zum Jahr 2018 gewählt werden. Als „Süddeutsche Zeitung“ und Tagesspiegel jetzt über die Präsidentenwahl berichteten, konnten sie das aber nicht der Homepage oder Presseerklärungen der HRK entnehmen, sondern sich nur auf Anfrage bestätigen lassen, nachdem ihnen zuvor interne Papiere zugespielt worden sind.

Gleiches gilt für die Information, wer überhaupt zur Wahl steht. Der für eine erneute Wahl kandidierende Horst Hippler erhält mit dem früheren Jenenser Rektor Klaus Dicke einen ernst zu nehmenden Gegenkandidaten und wird auch von dem früheren Rektor der TU Cottbus Walther Zimmerli herausgefordert. Für die Hochschulen propagiert die HRK zwar das moderne Leitbild der „Autonomie“, die im Gegenzug durch Rechenschaftspflicht und Transparenz ergänzt wird. Für sich selber scheint sie aber noch in den betulichen Zeiten zu leben, in denen Rektoren und Dekane in den Universitäten durch Vorabsprachen im „Professorium“ ausgeguckt wurden. Bloß keine öffentlichen Debatten, lautet anscheinend das Motto.

Die Rektoren erinnern an einen Kaninchenzüchterverein

Neu ist diese Geheimniskrämerei nicht. Schon bei der letzten Wahl vor drei Jahren war diese Ängstlichkeit zu beobachten, als entgegen der bisherigen Praxis gleich zu Beginn die Öffentlichkeit von der Versammlung ausgeschlossen wurde. Die wenigen angereisten Journalisten, aber auch Vertreter aus Ministerien oder Einrichtungen der Forschungsförderung durften wieder abreisen und sich nachträglich über das Ergebnis der Wahl informieren. Selbst die Stimmergebnisse wurden nicht mitgeteilt. Die Begründung, es handele sich schließlich um eine interne Angelegenheit der HRK, erinnert eher an einen Kaninchenzüchter- oder Briefmarkensammlerverein als an eine Stimme der Hochschulen, die öffentliche Aufmerksamkeit beansprucht und ihre Finanzierung weitgehend auf staatliche Zuschüsse stützt.

Schon im Vorfeld der Wahl hatte es weder transparente Debatten gegeben, noch waren den Kandidaten Papiere abverlangt worden, in denen sie ihre Positionen zu der künftigen Entwicklung der HRK hätten darlegen müssen. Auf der Versammlung selbst hatte jeder Kandidat zwölf Minuten Zeit für eine Selbstvorstellung, danach noch ein wenig Zeit für Fragen und Antworten, dann ging’s direkt zur Wahl.

Grund ist die Zersplitterung der HRK

Der Grund für dieses peinliche Verhalten liegt in der Zersplitterung der HRK. In ihr haben sich große Universitäten und Technische Hochschulen zu Suborganisationen wie TU9 oder U15 zusammengeschlossen, weil sie eigene, auf die Forschungsfinanzierung gerichtete Interessen haben und sich aus der Masse der Hochschulen hervorheben wollen.

Dabei spielt ihnen eine Satzungsänderung der HRK aus dem Jahr 2006 in die Hände, nach der in einem gestaffelten System kleine Hochschulen mit weniger als 5000 Studierenden nur eine Stimme und große mit mehr als 40 000 Studierenden neun Stimmen führen.

Zudem können sich die TU9- oder U15-Universitäten wegen ihrer geringen Zahl bei einer Wahl leichter untereinander abstimmen als die vielen Hochschulen mit geringerem Stimmengewicht. Auf diese Weise wird das Plenum unwichtiger.

Konflikte werden zugespitzt - gut so

Auf öffentliche Auseinandersetzungen zu verzichten, beeinträchtigt aber die Wirksamkeit der HRK. Selbst wenn die Machtverhältnisse klar wären, was bei der jetzigen Wahl nicht der Fall ist, müssen die Debatten über die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Hochschultypen öffentlich geführt werden. Nur dann können diese Argumente und die darauf gestützte Politik der HRK in der Öffentlichkeit nachvollzogen und bewertet werden.

Davon hängt auch das Interesse in der Öffentlichkeit an Hochschulpolitik und das Vertrauen darauf ab, dass es nicht alleine um Macht geht. Personalentscheidungen eignen sich besonders gut für öffentliche Aufmerksamkeit, weil in ihnen Konflikte sichtbar und zugespitzt werden. Hinterzimmerkungeleien verhindern das. Die HRK sollte deshalb von den Kandidaten Positionspapiere anfordern und diese veröffentlichen. Sie sollte dazu öffentliche Debatten veranstalten. Und sie sollte am 12. Mai bei der Wahl nicht erneut die Öffentlichkeit ausschließen.

- Der Autor leitete von 1992 bis 2008 deutsche und österreichische Universitäten, zuletzt die Uni Duisburg-Essen, und unterlag 2012 in der Stichwahl für das Amt des HRK-Präsidenten.

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