Wissen : Humboldt-Uni öffnet sich für Berufstätige

Die Humboldt-Universität will mehr Berufstätigen ohne Abitur einen Zugang zu allen Fächern gewähren. Statt wie bisher nur Meister sollen auch andere Berufsgruppen – wie etwa Inhaber eines Seemannspatents – unter bestimmten Voraussetzungen eine allgemeine Hochschulzulassungsberechtigung erhalten. Bisher bekamen diese Bewerber nur den Zugang zu einem bestimmten Fach, das der Berufsausbildung nahe steht. Das sieht die neue Zulassungssatzung der HU vor, die der Akademische Senat am Dienstag verabschiedete. Auch sollen Berliner Bewerber, für die ein Wegzug unzumutbar ist, unter der Härtefallquote berücksichtigt werden. Die HU nimmt so Änderungen aus dem neuen Hochschulgesetz auf. Mehr Fächer wollen künftig auch Eignungstests für das Masterstudium durchführen – zuerst die Wirtschaftswissenschaften, wie deren Dekan Oliver Günther ankündigte.

In der Sitzung kam es fast zu einem Eklat, weil die Studierenden zunächst ein Gruppenveto gegen den Beschluss einlegten. Dadurch wäre die Verabschiedung verschoben worden, was aber für das Zulassungsverfahren zum Wintersemester nicht mehr ausgereicht hätte. Die HU hätte dann komplett ohne Satzung dagestanden, weil die alte ausgelaufen ist. Die Uni wäre so gezwungen gewesen, zum Wintersemester auf Kriterien wie Gespräche oder Eignungstests zu verzichten, was die bisherige Praxis über den Haufen geworfen hätte. Die Studierenden stießen sich an der Eile, mit der die Satzung beschlossen werden sollte. Es sei „unmöglich“, dass immer öfter unter dem Vorwand der Dringlichkeit die Studierenden übergangen würden, rief eine Studentenvertreterin. Erst nachdem Präsident Jan-Hendrik Olbertz und Professoren vor einem Organisationschaos warnten, zog ein Student seine Einwilligung zum Veto zurück. Der „Referentinnenrat“ will prüfen, ob er dagegen vorgeht. tiw

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