Humboldt-Universität : Geisteswissenschaftler im nüchternen Bürogebäude

08.02.2012 11:48 Uhrvon
Pergamon-Palais heißt der nüchterne Bürobau, den die HU bezogen hat. Foto: Promo/HU
Pergamon-Palais heißt der nüchterne Bürobau, den die HU bezogen hat. - Foto: Promo/HU

"Pergamon-Palais" wird das neue Gebäude der Philosophischen Fakultät III der Humboldt-Uni genannt. Doch die streng gegliederte Fassade wird dem historischen Ort gegenüber der Museumsinsel nicht gerecht.

Knapp zwei Jahre lang konnte man aus einer ausgedehnten Baugrube gegenüber der Museumsinsel, an Kupfergraben und Georgenstraße, einen Bürokomplex herauswachsen sehen. Jetzt ist dort eine gewichtige geisteswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität (HU) eingezogen. Die leicht unterschiedlichen Fassaden bedecken ein durchgehendes Gebäude, sie täuschen die Parzellenstruktur nur vor, die hier bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bestanden hatte.

In Prinzip ein guter Ort für die HU, die wachsen muss und wachsen will und das am liebsten auf historischem Grund.

Denn hier hat in den 1820er Jahren kein Geringerer als der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel gelebt, der kurz vor dem Ende seines Lebens Rektor der Universität war. Bei der Eröffnungsfeier des Gebäudes am Montagnachmittag allerdings wurde Hegel nur ein einziges Mal erwähnt, bezeichnenderweise nicht von Universitätsseite, sondern vom Investor. So viel zur Aktualität Hegels für die HU.

Im Gebäude mit der Adresse Georgenstraße 47 und dem hochtrabenden Namen „Pergamon-Palais“ sind nunmehr vier Institute der Philosophischen Fakultät III angesiedelt. Die HU ist indes nur für zunächst zehn Jahre Mieterin des Baus, hinter dem ein Anlagefonds und das Hamburger Bankhaus M. M. Warburg stehen. Die Verhandlungen seien in Anbetracht der „sehr hohen Renditevorgaben des Bauherren“ hart gewesen und „standen mehrfach vor dem Abbruch“, wie HU-Technikleiter Ewald-Joachim Schwalgin sagte. Er träumt davon, das Gebäude für die Uni käuflich zu erwerben.

Entstanden ist ein typisches Beispiel heutiger Büroarchitektur, dessen Architektin Elisabeth Rüthnick nicht zur Riege der bekanntesten Berliner Baumeister zählt. Immerhin ging ihr Entwurf siegreich aus einem Architektenwettbewerb hervor, in dessen Jury unter anderem Landeskonservator Jörg Haspel saß. Und wenn der schon keine Einwände hatte, bei dieser verantwortungsschweren Lage gleich gegenüber dem Pergamonmuseum, dann muss die Uni erst recht zufrieden sein, dass sie keine spezifische Campus-Architektur erhält, sondern ein austauschbares Bürohaus.

Passend zum bunten Strauß des Lehr- und Forschungsangebots, zu dem auch Medienwissenschaftler und das „Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterforschung“ beitragen, gibt es in der Reihe der Seminarräume ein „Medientheater“. Und in den Obergeschossen viel Büro: 150 Arbeitsplätze für die Verwaltung der Philosophischen Fakultät III. Staunen machte das Bekenntnis Horst Bredekamps, Lehrstuhlinhaber am Institut für Kunst- und Bildgeschichte (der Titel gemahnt an Warburg, allerdings den kunstsinnigen Aby): Er habe die Ausstattung sämtlicher Seminarräume aus seinen „Bleibeverhandlungsmitteln“ bezahlt.

Die Wissenschaftssoziologie müsste ihre helle Freude daran haben, die Ausbreitung der Fakultät wie auch die am Eröffnungsnachmittag ausgelegten Selbstbeschreibungen der Institute unter die Lupe zu nehmen.

Heinz Sielmann Stiftung

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