Humboldt-Universität : „Wählt Gutheil“

Die Humboldt-Uni streitet über die TU-Kanzlerin, die an der Humboldt-Universität Vizepräsidentin für den Haushalt werden soll.

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Die einzige Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten für Haushalt an der Humboldt-Universität, die Kanzlerin der TU Berlin Ulrike Gutheil, löst Kontroversen aus. Das zeigte sich am Dienstag gleich zu Beginn bei der Anhörung der Kandidaten im Konzil, dem Wahlgremium der HU. Studierende protestierten mit einem großen Transparent gegen Gutheils Wahl: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Anhänger der Kandidatin konterten mit einem eigenen Plakat. Darauf stand „Vote Gutheil“ (Wählt Gutheil).

Stein des Anstoßes sind Vorgänge rund um die einstige Mietwohnung Gutheils, wegen derer noch immer die Staatsanwaltschaft ermittelt. Diese Vorgänge standen auch im Mittelpunkt der rund zweieinhalbstündigen Anhörung Gutheils, die als Wunschkandidatin des designierten HU-Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz gilt. Der Landesrechnungshof hatte 2008 eine „Begünstigung“ der TU-Kanzlerin „zulasten des Universitätshaushalts“ moniert. Einwände des damaligen TU-Präsidenten Kutzler gegen die Vorwürfe hielt der Rechnungshof für nicht überzeugend. Die TU hatte demnach über 60 000 Euro ausgegeben, um die Wohnung Gutheils, die der TU gehörte, zu sanieren und zu erweitern.

So wurde ein Parkett verlegt und eine „zweizeilige Einbauküche“ eingebaut. Die TU reduzierte die Miete, teilweise wohnte die Kanzlerin mietfrei. Ein Wachschutz wurde engagiert, Sicherheitsanlagen eingebaut, kritisierten die Rechnungsprüfer. In die Kritik geriet auch die Umwandlung von Gutheils Beamtenstatus in ein „öffentlich-rechtliches Auftragsverhältnis“, was mit einer kräftigen Gehaltserhöhung einherging. Zwar beanstandeten die Rechnungsprüfer den Vertrag nicht, allerdings schritt der Berliner Senat ein. Denn Kutzler hatte ohne Kenntnis des Kuratoriums eine rechtlich wacklige Konstruktion gewählt, die die Vorzüge des Beamtenstatus mit dem neuen Vertrag kombinierte.

Wie Gutheil denn heute diese Vorgänge beurteile, wollten jetzt mehrere HU-Konzilsmitglieder wissen. Gutheil antwortete sichtlich emotional. Tatsächlich würde sie „nie nie wieder in die Wohnung einer Universität ziehen“, gab sie zu: „Das war eine Lehre für mich.“ Allerdings sei sie sich keiner Schuld bewusst. Sie habe damals ein Abwerbungsangebot gehabt und der TU dann die Möglichkeit gegeben, sie zu halten. Bei den ausgehandelten Konditionen – zu denen laut Rechnungshof die reduzierte Miete gehörte – „habe ich mich nicht eingemischt“. Der Vertrag und die damit verbundene Lohnsteigerung „waren nicht unanständig“, sagte Gutheil. Sie habe inzwischen einen Vergleich mit der TU geschlossen, „es ist alles ausgeräumt“. Sie sei auch „überzeugt“, dass das Verfahren von der Staatsanwaltschaft „eingestellt wird, ohne dass weiteres passiert“.

Der Mathematiker Andreas Griewank hakte nach. Er befürchte, eine HU-Vizepräsidentin Gutheil werde das Verhältnis zur TU belasten. Griewank spielte darauf an, an, dass der heutige TU-Präsident Jörg Steinbach damals als Vizepräsident vom Senat aufgefordert wurde, die Strafanzeige zu stellen.Es sei „unbestritten, dass es eine Störung gab“, antwortete Gutheil. Als Steinbach die Strafanzeige stellte, habe sie das „umgehauen“. Inzwischen hätten sie aber wieder ein „sehr kollegiales Verhältnis“. Unterstützung bekam Gutheil allein von dem Philosophieprofessor Volker Gerhardt. Er habe den Eindruck, „dass Sie sehr ausführlich und zufriedenstellend geantwortet haben“, sagte er.

Ein Konzilsmitglied wollte wissen, ob die HU sicher sein könne, dass sich Gutheil nicht sofort von einer anderen Einrichtung abwerben lasse. „Immer wenn ich einen Vertrag annehme, gedenke ich ihn zu erfüllen“, sagte Gutheil.

Zu Beginn der Sitzung hatte Gutheil ihre Pläne für die HU präsentiert. Sie stehe für ein „pragmatisches, nicht dogmatisches“ Verständnis von Verwaltungsabläufen: „Wir finden für alles eine Lösung.“ Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die Verwaltung „serviceorientiert“. Wissenschaftler sollten von Bürokratie entlastet werden. Studierende sollten die Verwaltung als „freundlich und erreichbar“ empfinden. Sie werde sich für eine neue „Wertschätzungkultur“ einsetzen.

Gutheil betonte, sie habe HU-Mitglieder bereits kennen gelernt. Die Identifikation mit der HU sei „bemerkenswert“. Gutheil deutete aber auch an, dass sie in der Verwaltung Verbesserungsmöglichkeiten sehe – etwa bei der Frage, wie die Verwaltung über die Grenzen der einzelnen Präsidiumsressorts organisiert wird. Die Professoren bewegte vor allem die Frage, wie Gutheil es schaffen wolle, gleichzeitig die Wissenschaftler zu unterstützen, die im Exzellenzwettbewerb erfolgreich sind, ohne dabei die anderen Forscher zu vernachlässigen. Darauf antwortete die Kandidatin allerdings nur vage. Die Wahl ist für den kommenden Dienstag geplant. Tilmann Warnecke

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