Wissen : Im Mikrokosmos der Moleküle Nachwuchspreis für Bonner Chemiker

Dagny Lüdemann

Der Bonner Biologe und Chemiker Frank Neese bekommt in diesem Jahr den mit 100 000 Euro dotierten Klung-Wilhelmy-Weberbank-Preis. Der 41-Jährige wird für seine Arbeiten zur hoch effizienten Berechnung der Elektronenstruktur großer Moleküle geehrt.

Frank Neese, Professor für Theoretische Chemie an der Universität Bonn, hat ein umfassendes Paket aus Computerprogrammen entwickelt, mit denen sich die Eigenschaften und das Verhalten von Molekülen genau analysieren lassen. Vor allem die Berechnung des Verhaltens von Elektronen ist sehr aufwendig und kompliziert. Inzwischen erleichtert Neeses Software namens „Orca“ Physikern, Chemikern, Biologen und Pharmazeuten auf der ganzen Welt die Arbeit. Sie simulieren damit zum Beispiel die Wirkungsweise bestimmter Stoffe, die als Medikamente infrage kommen. In der Materialforschung können mit Hilfe dieser Grundlagen aus der Quantenmechanik zum Beispiel neue Materialien für Datenspeicher oder Leuchtdioden entwickelt werden. Auch komplexe Vorgänge des Lebens lassen sich dank dieser Software vorhersagen: So können Biologen zum Beispiel untersuchen, wie Vitamine oder Spurenelemente auf molekularer Ebene im Körper wirken.

Seit dem Jahr 1973, damals noch unter dem Namen Otto-Klung-Preis, werden mit dieser Auszeichnung junge deutsche Wissenschaftler geehrt. Fünf der bisherigen Preisträger bekamen später einen Nobelpreis. Frank Neese ist der erste Theoretische Chemiker, der den Preis erhält. Von 1997 bis 1999 forschte er an der amerikanischen Stanford-Universität. 2001 habilitierte er an der Uni Konstanz und leitete im Anschluss fünf Jahre lang das Max-Planck-Institut für Bioanorganische Chemie in Mühlheim. Seit März 2006 ist er Professor an der Uni Bonn.

Die Preisverleihung findet am 14. November an der Freien Universität Berlin statt. Dagny Lüdemann

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