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Imboden-Bericht über die Exzellenzinitiative : Prämien für die besten deutschen Universitäten

Die Imboden-Kommission, die die Exzellenzinitiative evaluiert hat, empfiehlt eine "Exzellenzprämie" für die zehn besten Universitäten. Dafür müssten sich die Unis nicht mehr eigens bewerben.

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Nachdenklich. Derzeit gibt es elf Exzellenzuniversitäten, darunter seit 2012 auch die Uni Köln.
Nachdenklich. Derzeit gibt es elf Exzellenzuniversitäten, darunter seit 2012 auch die Uni Köln.Foto: Promo/Universität Köln

Die Exzellenzinitiative für die deutschen Universitäten bekommt von einer Expertenkommission gute Noten. Sie habe ihr wichtigstes Ziel, eine neue Dynamik in das deutsche Universitätssystem zu bringen, erreicht, erklärte der Leiter der Kommission, der Schweizer Umweltphysiker Dieter Imboden, am Freitagvormittag in Berlin. Der Wettbewerb solle "mindestens im selben Umfang" wie im Jahr 2014, also mit 500 Millionen Euro im Jahr, fortgesetzt werden, empfiehlt Imboden. Die Kommission schlägt eine Verstetigung und Verbesserung des Wettbewerbs vor: Künftig sollten nur noch zwei statt bisher drei Förderlinien vor, eine für "Exzellenzcluster II" - und eine "Exzellenzprämie". Die Graduiertenschulen sollten nicht mehr über den Wettbewerb gefördert werden. "Das Instrument hat seine Funktion gehabt", sagte Imboden.

Die Exzellenzprämie soll an die Stelle der bisherigen "Zunkunftskonzepte" treten und für einen Zeitraum von sieben bis acht Jahren an die jeweils zehn besten Universitäten vergeben werden. Wie sie ihre "Jahresprämie" von je 15 Millionen Euro "im Sinne der Spitzenforschung optimal einsetzen wollen", darüber sollten die Unis frei entscheiden, heißt es. Die Jahresprämie würde bedeuten, dass sich die Universitäten nicht mehr wie bisher mit aufwändigen Zukunftskonzepten für ihre strategische Ausrichtung bewerben müssten.

Das internationale Expertengremium bewerte den seit 2006 laufenden Wettbewerb insgesamt „als erfolgreiches Instrument zur Verbesserung der Qualität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems“, teilte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern mit.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) erklärte, vielfach hätten sich Universitäten strategisch neu aufgestellt und ihre Profile geschärft. „Das Ziel, die Spitzenforschung an Universitäten und im internationalen Wettbewerb zu stärken, ist und bleibt richtig“, erklärte Wanka.

Vereinbarung zur Fortsetzung am 22. April geplant

Bund und Länder wollen sich jetzt schnell auf eine Fortsetzung des 2017 auslaufenden Wettbewerbs einigen. In der Sitzung der GWK am 22. April soll eine neue Bund-Länder-Vereinbarung in Nachfolge der Exzellenzinitiative beschlossen werden. Im Juni soll sie dann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten zur Entscheidung vorliegen. "Das geht jetzt schnell", versprach Wanka bei der Pressekonferenz zum Imboden-Bericht.

Die zehnköpfige Kommission unter dem Vorsitz Dieter Imbodens war im September 2014 von Wanka vorgestellt worden. Bewerten sollte die Kommission unter anderem auch, wie sich die Exzellenzinitiative auf das Verhältnis von Spitze und Breite der universitären Forschung ausgewirkt hat. Für Imboden stand schon vor eineinhalb Jahren fest, dass die Exzellenzinitiative „eine nationale Bewegung“ bewirkt habe. Grundlage der Begutachtung war ein Datenbericht über die drei Förderlinien, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat im September vergangenen Jahres vorgelegt haben.

Chef des Wissenschaftsrats für eine größere Zahl von Standorten

Schon dieser Bericht habe eine „überzeugende Bilanz“ gezogen, erinnerte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Bildungsforscher Manfred Prenzel, am Freitagmorgen in "Deutschlandradio Kultur". Die Qualität der Forschung sei dank des Wettbewerbs messbar gestiegen. Dem Imboden-Bericht billigte Prenzel eine „wichtige Rolle“ zu, er biete „einige weitere Perspektiven von außen“. Prenzel sprach sich dagegen aus, nur eine kleinere Zahl von Unis als Ganzes zu fördern. „Ich würde sehr vorsichtig sein, hier mit einer festen Zahl ins Gespräch zu gehen.“ Es könne mehr als fünf, sechs oder sieben herausragende Universitäten in Deutschland geben. Er sei dafür, die bisherigen Exzellenzstandorte „gegeneinander antreten zu lassen, wer wirklich die besten Konzepte hat“, sagte Prenzel.

DFG-Präsident Peter Strohschneider bezeichnete den Imboden-Bericht als "unmissverständliches Plädoyer für die gezielte Förderung der Spitzenforschung in den Universitäten in Deutschland". Dies gelte "vor allem für den vorgeschlagenen Forschungsfeld-Wettbewerb (Exzellenzcluster II)". Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte, Berlin sei "für die neue Runde hervorragend aufgestellt".

Lob von den Grünen, Kritik von Studierenden

Lob für den Imboden-Bericht und die Empfehlungen kam von den Grünen. Die Exzellenz-Prämie sei ein "kluger und weiterführender Vorschlag", der dazu beitrage, "die Breite in der Spitze des deutschen Hochschulsystems" zu erhalten. Kritisch äußerten sich die Studierenden aus dem "freien zusammenschluss von student*innenschaften" (fzs). Vorstandsmitglied Marie Dücker sprach von einer "Stimmung des gnadenlosen Wettbewerbs", die die Kommission schüre. Statt "Elitephantastereien" bräuchten die Hochschulen eine ausreichende Grundfinanzierung.

Der 2012 gestartete Durchgang der Exzellenzinitiative endet 2017, insofern drängt die Zeit, damit die laufenden Projekte nahtlos weiterarbeiten können. Für die neue Runde hat der Bund bereits vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Wenn die Länder wie in den ersten Runden einen 25-prozentigen Anteil beisteuern, läge das Finanzvolumen für die kommenden zehn Jahre mit 4,6 Milliarden Euro etwas über dem bis 2017 bereitgestellten Betrag. (mit dpa)

 

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