Informatiker Raúl Rojas im Porträt : Eine kommunistische Utopie des Stadtverkehrs

Taxischwärmer: Der Informatiker Raúl Rojas von der FU Berlin testet ein selbstfahrendes Auto und träumt von einem automatischen Fahrdienst für alle.

Hristio Boytchev
Verspielt. Der Informatiker Raúl Rojas und sein Team haben auch fußballspielende Roboter entwickelt und in Turnieren erprobt. Das Ziel ist bessere künstliche Intelligenz.
Verspielt. Der Informatiker Raúl Rojas und sein Team haben auch fußballspielende Roboter entwickelt und in Turnieren erprobt. Das...Foto: Mike Wolff

Um ein selbstfahrendes Auto zu fahren, braucht man in Berlin drei Menschen. Ein Sicherheitsfahrer sitzt am Steuer und kann stets eingreifen. Ein Kopilot überwacht die Software. Der Dritte fährt mit einem anderen Wagen hinterher, um mögliche Auffahrunfälle zu verhindern. So will es der TÜV, der eine Sondergenehmigung zum Testen auf der Straße erlassen hat. Einer der drei ist heute krank, also bleibt das Auto in der Garage. Den Teamleiter Raúl Rojas können aber solche Probleme nicht ernsthaft einschüchtern.

Der Informatiker an der Freien Universität Berlin ist Herausforderungen gewohnt. Nach seiner Ausbildung in Mathematik in seiner Heimatstadt Mexiko City promovierte er über politische Ökonomie an der Freien Universität Berlin. Aus politischer Verantwortung, wie er sagt. „Das Studium hat mir Einblick in die Denkweise der Sozialwissenschaften gegeben“, sagt Rojas, „das ist wichtig, um die Gesellschaft zu verstehen.“ Technik und Soziales gehören für ihn zusammen.

Er entschlüsselte die Funktion des legendären Z1

2010 kandidierte Rojas als FU-Präsident. Sein Wahlprogramm umfasste mutige Vorschläge. Wie etwa den, seine Universität mit der Technischen Universität Berlin zu verschmelzen. Doch aus den politischen Ambitionen ist vorerst nichts geworden. So konzentriert sich Rojas auf die Roboterforschung. Jetzt erhielt er den Tony-Sale-Preis der britischen Computer Conservation Society. Der Anlass: Rojas hatte die Funktion der Rechenmaschine Z1 des Computerpioniers Konrad Zuse entschlüsselt. Z1 gilt als die erste programmierbare Rechenmaschine.

Rojas’ Herz schlägt für Mathematik und Naturwissenschaften. Seit 1997 ist er an der FU Professor für Künstliche Intelligenz. „Ich will verstehen, wie Menschen Aufgaben ohne Nachdenken erledigen können und warum das für Computer so schwer ist“, sagt er. Das sei wie die Umkehrung der Biologie: Durch das Erschaffen von Robotern soll das menschliche Denken besser verstanden werden.

Seite 1 von 2 Artikel auf einer Seite lesen

0 Kommentare

Neuester Kommentar