Internationale Spitzenforscher : Zufrieden in Deutschland

"Exzellentes Umfeld": Internationale Spitzenforscher, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, loben ihre neuen Universitäten. Beeindruckt sind sie auch von den deutschen Studierenden.

Paul Janositz
Der Linguist Rolf Harald Baayen will Experiment in sechs Tonnen schweren Schallschutzkammern betreiben.
Der Linguist Rolf Harald Baayen will Experiment in sechs Tonnen schweren Schallschutzkammern betreiben.Foto: promoi/AvH

Es gibt gewichtige Probleme für Forscher, da helfen auch fünf Millionen Euro nicht. Soviel bekommt Rolf Harald Baayen von der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), um seine wissenschaftliche Arbeit in den nächsten fünf Jahren finanzieren zu können. Doch damit konnte der 53-jährige Linguist den Einbau seines tonnenschweren Labors auch nicht beschleunigen. Baayen ist von der Universität von Alberta im kanadischen Edmonton an den Neckar gezogen. Seit Oktober 2011 forscht er an der Uni Tübingen. Er wurde als Alexander-von-Humboldt-Professor berufen. Der höchstdotierte deutsche Forschungspreis soll helfen, „Weltstars der Forschung“, so AvH-Präsident Helmut Schwarz, an deutsche Unis zu holen.

Die internationalen Spitzenforscher befolgen nicht selten das Motto: „Klotzen statt Kleckern.“ So möchte Baayen, Experte für quantitative Linguistik, Experimente in einer perfekt abgesicherten, sechs Tonnen schweren Schallschutzkammer betreiben. Statiker und Brandschutzexperten mussten das Vorhaben zeitaufwendig prüfen. „Ende Juli ist es soweit, dann kann ich loslegen“, sagte Baayen jetzt bei einem Erfahrungsaustausch von Humboldt-Professoren in Berlin. Wo läuft es rund an der neuen Uni, und wo kommt gelegentlich Sand ins Getriebe? Wie kommt es, dass ein an die TU Berlin berufener Humboldt-Professor wie der Mathematiker Friedrich Eisenbrand bereits nach einem Jahr wieder geht, während der ebenfalls berufene Informatiker Oliver Brock seit drei Jahren zufrieden an der TU forscht?

Wichtig ist, dass die Chemie zwischen dem universitären Führungspersonal und dem Professor stimmt. Das scheint bei Eisenbrand in Berlin nicht der Fall gewesen zu sein. Genaues ist von den Beteiligten nicht zu erfahren. Die offizielle Erklärung lautet, der 40-jährige kehre aus persönlichen Gründen an die Eidgenössische Polytechnische Hochschule in Lausanne zurück. Oliver Brock, Experte für Roboter und künstliche Intelligenz, fühlt sich dagegen an der TU und in Berlin wohl. Er sei bewusst von Massachusetts in seine Heimatstadt zurückgekehrt. „Ich schätze die kulturelle Vielfalt, das Flair einer Großstadt, die den Zeitgeist bestimmt und dennoch grün ist“, sagt er. An der TU sei es gut gelaufen, die Verwaltung habe sich hilfsbereit gezeigt. Seine Räume seien pünktlich und wunschgemäß hergerichtet worden.

An der neuen Hochschule gut empfangen zu werden, sich in der neuen Heimat wohlzufühlen, sind wesentliche Faktoren, die die Berufung wissenschaftlicher Spitzenkräfte erfolgreich machen. So freut sich Martin Plenio, Quantenphysiker an der Uni Ulm, jetzt in einem 600 Jahre alten, perfekt sanierten Haus wohnen zu können. Das sei in London, der alten Wirkungsstätte, unbezahlbar gewesen, sagt er. Das Ulmer wissenschaftliche Umfeld sei exzellent, die Uni-Verwaltung habe „Verträge im Rekordtempo“ erledigt. Er will auch in Ulm bleiben, wenn die auf fünf Jahre begrenzte Humboldt-Professur auslaufen wird.

Burkhard Rost hat noch nicht darüber nachgedacht, was er nach dem Ende seiner Professur machen wird. Der Bioinformatiker wechselte 2009 von der New Yorker Columbia-Universität an die TU München. Überrascht hat den Niedersachsen, der mehr als zehn Jahre in den USA lebte, die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen hierzulande und der Wille, Probleme anzupacken. „Eine wahre Freude“ sind für ihn die Studierenden. „Sie sind außergewöhnlich gut, motiviert, voller Energie und Einsatz.“ Damit stimmt er mit den meisten seiner Kollegen überein, die von der fachlichen Qualität ihrer Schützlinge beeindruckt sind.

Die Lehre ist für Rost eine „Herausforderung, an der er wachsen möchte“. Neun Stunden pro Woche im Semester seien aber zu viel. Auch der Nachrichtentechniker Gerhard Kramer, seit gut einem Jahr an der TU München, hält die hiesige Lehrverpflichtung für „enorm viel“. Er möchte jedoch nicht nur die Zahl der Wochenstunden zum Maßstab nehmen. In den USA, wo er lange in Los Angeles gelehrt hat, mussten die Professoren oft viel mehr Zeit in die Ausarbeitung von Prüfungen stecken. In München werde er bei der Lehre zudem tatkräftig von Assistenten unterstützt.

Problematisch sehen die Professoren das öffentliche Dienstrecht, das es schwer mache, exzellente Mitarbeiter mitzubringen und angemessen einzugruppieren. Dennoch sind sie sich darin einig, dass Deutschland im internationalen Vergleich gut dasteht. „Ich finde hier ein hervorragendes wissenschaftliches Umfeld“, sagt der Biophysiker Jochen Guck, der vom Cavendish-Labor in Cambridge an die TU Dresden wechselt. Und auch Matthias Wessling, Verfahrenstechniker und Spezialist für technische Membranen an der RWTH Aachen, sagt: „Ich bin sehr zufrieden.“ Paul Janositz

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