Interview : „Schavan hat abgeschrieben, aber sie ist ein Grenzfall“

Es gibt gravierendere Fälle als den Schavans, sagt Debora Weber-Wulff, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Aber freisprechen könne man die Ministerin nicht. Weber-Wulff ist Spezialistin für Plagiatssoftware und arbeitet bei „Vroniplag“ mit.

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Debora Weber-Wulff, Spezialistin für Plagiatssoftware.
Debora Weber-Wulff, Spezialistin für Plagiatssoftware.Foto: HTW Berlin/Jennifer Weber

Frau Weber-Wulff, was wissen Sie über „Schavanplag“, die Plattform, die jetzt Plagiate in Schavans Dissertation beanstandet?

Der Autor ist offensichtlich jemand, der sich bei „Vroniplag“, wo ich mitarbeite, auskennt. Das ist aber kein Problem, denn die Diskussion über Schavans Arbeit ist frei zugänglich, ein Fachmann kann darauf jederzeit zugreifen.

„Vroniplag“, die Plattform, die schon mehrfach Plagiatoren entlarvt hat, beschäftigt sich also auch mit Schavan?

Ja, wir diskutieren seit Monaten über die Arbeit. Doch Vroniplag hat strenge wissenschaftliche Maßstäbe, nach denen wir die Kritik an Schavans Arbeit bislang nicht öffentlich machen wollten. Nach meiner Auffassung müssen dafür mindestens zehn bis zwanzig Prozent des Textes plagiiert sein, das ist bei Schavan nicht der Fall.

Aber freisprechen können Sie die Ministerin auch nicht?

Nein, von mir bekommt sie keinen Persilschein. Teile ihrer Arbeit hat sie tatsächlich abgeschrieben, es gibt etliche Stellen, die nicht in Ordnung sind. Für mich ist sie ein Grenzfall, es gibt gravierendere Fälle, um die sich Vroniplag kümmert.

Tun die Universitäten genug, um sich vor Plagiatoren zu schützen?

Sie können es nicht alleine. Bund und Länder müssen eine „Bundesberatungsstelle Plagiat“ einrichten, wie ich sie auch schon im Bundestag vorgeschlagen habe. Dort sollten die Universitäten beraten werden, wie sie gegen Plagiatoren vorgehen können. Es könnten Veröffentlichungsplattformen für Dissertationen in digitaler Form aufgebaut werden. Und wir sollten eine Stichprobe der Dissertationen der vergangenen fünf Jahre untersuchen.

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