Jacobs-University Bremen : Mehr Zuschuss aus der Kaffeekasse

Die finanzschwache Jacobs-University Bremen braucht neue Überlebenshilfe. Die Jacobs Foundation verspricht, sich dauerhaft zu engagieren und auch das Land will erneut einspringen.

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Nicht kostendeckend. Studierende an der Jacobs-University Bremen zahlen bis zu 20 000 Euro im Jahr. Foto: dpa
Nicht kostendeckend. Studierende an der Jacobs-University Bremen zahlen bis zu 20 000 Euro im Jahr.Foto: dpa

Sie nennt sich selbstbewusst „Deutschlands erfolgreichste private Universität in Lehre und Forschung“. Finanziell ist die Privathochschule „Jacobs University Bremen“ (JUB) aber alles andere als erfolgreich. Seit ihrer Gründung 2001, damals noch als „International University Bremen“, muss sie immer wieder ums Überleben kämpfen. Derzeit finanziert die JUB nur 35 von 55 Millionen Euro Jahresetat „aus eigener Kraft“, erklärte ein JUB-Sprecher auf Anfrage. Jetzt sind der Privathochschule erneut zwei treue Partner zu Hilfe geeilt: die Hansestadt Bremen und die Jacobs Foundation, eine Stiftung des 2008 gestorbenen Kaffeekönigs Klaus J. Jacobs. Beide wollen ihre Förderung verlängern. Genaue Beträge stehen noch nicht fest, heißt es.

Die Privathochschule war 2001 mit 130 Studierenden eröffnet worden. Heute lernen dort rund 1400 junge Menschen aus über hundert Nationen, betreut von 130 Professoren und 260 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Ein paradiesischer Personalschlüssel. Dafür sind jährlich 20 000 Euro Studiengebühren fällig. Finanzschwache Bewerber, die das Aufnahmeverfahren bestehen, kommen aber günstiger davon. Und von diesen Teilzahlern gab es jahrelang mehr als erwartet.

Dass die Gebühren nicht kostendeckend sind, eint die JUB mit anderen deutschen und mit US-amerikanischen Privatunis. Doch gleichzeitig fanden sich in Bremen bei Weitem nicht genügend private Sponsoren. Angestrebt wurde ein Kapitalstock von 250 Millionen Euro, doch bis 2006 kamen nur 70 Millionen zusammen. Als dies vor sechs Jahren zum ersten Mal zur Finanzkrise führte, sprang die Jacobs Foundation mit einer Spendenzusage von 200 Millionen Euro für den laufenden Betrieb und für den Kapitalstock ein. 2008 wurde vereinbart, dass die Uni das Geld flexibler als ursprünglich vereinbart bis 2017 einsetzen kann.

Auch das Land Bremen steuerte immer wieder Geld bei: eine Anschubfinanzierung von 118 Millionen Euro, weitere 23 Millionen Euro bis 2011 und eine Bürgschaft für einen 50-Millionen-Kredit. Nach einjähriger Pause und einem neuerlichen Hilferuf der JUB sollen nun bald weitere Steuergelder fließen: Der Bremer Senat verkündete kürzlich, die JUB sei eine „großartige Einrichtung“, deren Beschäftigte und Studierende die Einnahmen Bremens erhöhten. Die Hansestadt werde sich „einer zeitlich befristeten Beteiligung an der Zukunftssicherung der JUB für die nächsten Jahre nicht verschließen“. Dem Vernehmen nach geht es um drei Millionen Euro jährlich. Allerdings werden der Uni Auflagen gemacht. So müssten künftig weniger Professoren für mehr Studierende zuständig sein, das Betreuungsverhältnis soll von derzeit einer Professur für elf Studierende auf mindestens 16 Studierende angehoben werden, heißt es.

Grundsätzlich will das Land der JUB nur helfen, wenn sich die Jacobs Foundation dauerhaft engagiert. Das ist jetzt gewährleistet: Die Stiftung versprach in dieser Woche, die JUB auch nach 2017 finanziell zu unterstützen.

Bei der Linkspartei, der Gewerkschaft GEW und der Studentenvertretung der Universität Bremen stieß die staatliche Zahlungsbereitschaft auf Protest: Der Senat solle nicht länger Steuergelder in einem Privatunternehmen versenken, während gleichzeitig in den öffentlichen Hochschulen die Hörsäle überquellen.

In Deutschland standen private Hochschulen immer wieder vor der Pleite. Bei der Privatuniversität Witten-Herdecke in NRW sprangen 2009 das Land und neue Investoren ein, um sie in letzter Minute zu retten. Früh gescheitert sind finanziell prekäre Gründungen wie die Nordische Universität in Flensburg und Neumünster und die Hanseuni in Rostock.

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