"Jahr ohne Sommer" : Vulkan in Indonesien brachte Kälte über Europa

Ein gewaltiger Ausbruch im Jahr 1257 beeinflusste das Wetter auf der gesamten Nordhalbkugel. Auch in Europa gab es im Folgejahr ungewöhnlich viel Regen, niedrige Temperaturen und Missernten.

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Reste der Katastrophe. Bei der Eruption des Mount Salamas stürzte das Dach des Vulkans ein. Es blieb ein sechs mal acht Kilometer großer Krater (Caldera), der heute teilweise mit Wasser gefüllt ist.
Reste der Katastrophe. Bei der Eruption des Mount Salamas stürzte das Dach des Vulkans ein. Es blieb ein sechs mal acht Kilometer...Foto: PNAS/Franck Lavigne et al.

Es regnete unablässig, Fluten überschwemmten das Land, es war ungewöhnlich kalt, die Ernte fiel miserabel aus. 1258 war für die Bewohner der Nordhalbkugel ein schlimmes Jahr, wie aus Chroniken hervorgeht. Die Bevölkerung Londons zum Beispiel schrumpfte um ein Drittel. Hinweise auf das „Jahr ohne Sommer“ finden sich zudem in Eisbohrkernen und Baumringen. Aus Sulfat- und Ascheanreicherungen schlossen Forscher, dass es damals einen gewaltige Vulkanausbruch gegeben haben muss, der das Wetter weltweit beeinflusste. Seit 30 Jahren streiten sie, welcher Feuerberg die Kälte brachte. Vulkane in Mexiko, Ecuador und Neuseeland waren im Gespräch, doch keiner passte so recht ins Bild. Französische Forscher um Franck Lavigne glauben nun, das Rätsel gelöst zu haben. Es war der Mount Samalas auf der indonesischen Insel Lombok, schreiben sie im Fachblatt „PNAS“.

Chronik der Katastrophe auf Palmblättern

Sie stützen sich auf eine Chronik namens Babad Lombok, die auf Palmblättern niedergeschrieben wurde. Sie berichtet von einer katastrophalen Eruption, die einen sechs mal acht Kilometer großen Einsturzkrater (Caldera) hinterließ. Zudem beschreibt sie, wie glühend heiße Ascheströme die Umgebung, einschließlich der Hauptstadt Pamatan, zerstörten. Ein Inferno, das Vulkanologen vom Vesuv kennen, der bei seinem Ausbruch im Jahr 79 die Stadt Pompeji auslöschte.

Lavigne und Kollegen gingen dieser Spur nach und machten zahlreiche Untersuchungen – von der geochemischen Analyse der Asche bis zu Radiokarbondatierungen. Demnach schleuderte der Samalas mindestens 40 Kubikkilometer Asche in die Luft, die Eruptionssäule reichte bis zu 43 Kilometer hoch. Der Ausbruch gehöre damit zu den heftigsten des gesamten Holozäns, also der Epoche der letzten 12 000 Jahre, schreibt das Team.

Das passt ins Bild, das Klimaforscher und Vulkanologen bereits zuvor von dem „rätselhaften Ausbruch um 1257“ gezeichnet hatten. Demnach wurde damals so viel Schwefel freigesetzt, wie bei keinem anderen Vulkanausbruch in den vergangenen 7000 Jahren. Die Schwefelverbindungen beeinflussten selbst in Tausenden Kilometern Entfernung das Wetter. Es folgte ein Jahr ohne Sommer.

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