Jüdische Studien : Der Bund finanziert ein Berlin-Brandenburgisches Zentrum

Knapp sieben Millionen Euro erhält das "Zentrum für Jüdische Studien" vom Bundesforschungsministerium. Sechs Einrichtungen aus Berlin und Potsdam wollen kooperieren und unter anderem neue Stellen für Nachwuchswissenschaftler schaffen.

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In Potsdam soll möglichst eine jüdisch-theologische Fakultät entstehen.
In Potsdam soll möglichst eine jüdisch-theologische Fakultät entstehen.Foto: dpa

Universitäten und Forschungseinrichtungen in Berlin und Brandenburg können ein gemeinsames „Zentrum für jüdische Studien“ aufbauen. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert das Zentrum mit 6,9 Millionen Euro für zunächst fünf Jahre. „Es knüpft an die große Tradition jüdischer Gelehrsamkeit insbesondere in Berlin an“, erklärte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) am Dienstag gegenüber dem Tagesspiegel.

In Berlin beteiligt sind die Humboldt-Universität und die Freie Universität mit ihren kulturwissenschaftlichen, judaistischen und theologischen Schwerpunkten sowie die Technische Universität mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung. In Potsdam sind es die Universität sowie das mit ihr verbundene Abraham-Geiger-Kolleg, das Rabbiner und Kantoren ausbildet und gemeinsam mit der Uni den Studiengang Jüdische Studien anbietet, sowie das Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien, ebenfalls ein An-Institut der Universität.

Das Zentrum geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrats vom Februar 2010 zurück, Einzelprofessuren und kleine Institute möglichst zu einem Verbund zusammenzuführen. Bündeln wollen die beteiligen Unis und Institute Aktivitäten in Forschung und Lehre und bei der Einladung von Gastwissenschaftlern. Das BMBF fördert darüber hinaus Stellen für Nachwuchswissenschaftler (Postdocs) und Juniorprofessuren in Berlin und Potsdam. Erforscht werden sollen Berlin als Ort der jüdischen Emanzipation, der Trialog zwischen Judentum, Christentum und Islam sowie Erinnerungskulturen, sagt Christina von Braun, Kulturwissenschaftlerin an der HU und Koordinatorin des Zentrums, das am 30. Mai offiziell eröffnet wird.

Das Geiger-Kolleg soll mit den Mitteln des BMBF „zu einer Einrichtung mit Fakultätscharakter“ ausgebaut werden, wie Rektor Walter Homolka erklärt. So könnten Lehrstühle für Religionsphilsophie und Jüdische Musik eingerichtet werden. Doch noch ist die Fakultätsgründung an der Uni Potsdam nicht beschlossen, Brandenburg muss die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen. Homolka rechnet mit einer Entscheidung im Juli. Dass er auch in Thüringen über die Gründung einer Fakultät und damit über die Abwanderung des Kollegs verhandelt, habe bei der Förderentscheidung keine Rolle gespielt, heißt es im BMBF.

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