Kampf den Epidemien : Die nächste Seuche kommt bestimmt

Nach Ebola muss die Weltgesundheitsorganisation WHO schlagkräftiger werden. Ob das gelingt, entscheiden 3000 Experten auf der World Health Assembly.

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Das Ende der Epidemie. Liberia ist seit dem 9. Mai 2015 offiziell Ebola-frei. Die Nachricht wurde gefeiert.
Das Ende der Epidemie. Liberia ist seit dem 9. Mai 2015 offiziell Ebola-frei. Die Nachricht wurde gefeiert.Foto: Zoom Dosso, AFP

Während Liberia erleichtert den Sieg über Ebola feierte, bekam ein Krankenpfleger auf Sardinien Fieber – 72 Stunden nach seiner Rückkehr aus Sierra Leone. Ein Test bestätigte vor einer Woche seine Befürchtung: Er hat Ebola. Nun kämpft er in einer Isolierstation in Rom um sein Leben. Das Virus, das fast 26 800 Menschen krank gemacht und mehr als 11 000 Patienten getötet hat, bleibt gefährlich. Obwohl die Zahl der Neuinfizierten auf neun pro Woche gefallen ist.

Die 3000 Delegierten aus 194 Mitgliedsstaaten der WHO, die ab heute auf der World Health Assembly in Genf über die Lehren aus Ebola diskutieren, wissen das. Die Erinnerung daran, dass die Weltgemeinschaft zu spät und zu zögerlich auf die Epidemie reagiert hat, ist noch frisch. Die WHO hat mehrfach Selbstkritik geübt. Nun liegt es an den Mitgliedsstaaten, das politische Momentum zu nutzen, um Reformen durchzusetzen. „Wir haben die historische Chance, aus den Fehlern zu lernen“, sagt Lawrence Gostin von der Georgetown-Universität in Washington. Gostin ist einer der Experten, die die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan zu diesem Thema beraten.

Eine durchsetzungsfähige WHO

Krieg nimmt die Weltgemeinschaft ernst, darauf bereitet sie sich mit Bündnissen, mobilen Einheiten und Übungen vor. Alle wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Einem Virus, das Millionen Menschen umbringen könnte, steht sie jedoch kopflos gegenüber, schreibt Bill Gates im „New England Journal of Medicine“. Während der Ebola-Epidemie mussten selbst einfache Fragen ad hoc geklärt werden, wertvolle Zeit verstrich. Sollte in Zukunft ein besonders ansteckendes Virus die Menschheit bedrohen, wäre das fatal. Man brauche eine Organisation, die genug Autorität und Geld hat, um die internationale Hilfe zu steuern und schnelle Entscheidungen zu ermöglichen.

Chan gab zu, dass die WHO derzeit weder die Kapazität noch die Kultur habe, um in einer Gesundheitskrise selbst einzugreifen. Hinzu kam, dass das afrikanische Regionalbüro und die Zentrale in Genf während der Ebola-Epidemie erst nicht mit einer Stimme sprachen, sagt Gostin. Klare Hierarchien für den Notfall fehlen.