Wissen : Karlsruher Historiker streiten weiter

Rektor Hippler will reinen Tisch machen

Konstantin Sakkas

Der Lärm um den Widerstandsforscher Peter Steinbach, der jüngst seinen Rückzug von der Universität Karlsruhe ankündigte, geht weiter. Nach Steinbach, zugleich wissenschaftlicher Leiter der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ in Berlin, wird nun möglicherweise auch sein Kollege Rolf-Jürgen Gleitsmann seinen Hut nehmen und an die Universität Stuttgart wechseln, wie der Professor dem Tagesspiegel mitteilte. Offenbar will der Karlsruher Rektor Horst Hippler reinen Tisch machen. Zwischen Steinbach und Gleitsmann schwelt seit Jahren ein heftiger Streit, der vor zwei Wochen zum Eklat geriet, als Steinbach öffentlich ankündigte, er könne aufgrund der Spannungen zwischen ihm und Gleitsmann nicht mehr in Karlsruhe arbeiten.

Steinbach hingegen wird wohl künftig an der Universität Mannheim lehren. Die dortige Kanzlerin Annette Storm bestätigte Äußerungen, wonach ihm eine mündliche Zusage gemacht worden sei, nachdem sich das baden-württembergische Wissenschaftsministerium für einen Wechsel Steinbachs ausgesprochen hatte. Grund für den Konflikt sind weniger inhaltliche Differenzen als persönliche Abneigung. Zwischen Steinbach und dem Technikhistoriker Gleitsmann habe „die Chemie nicht gestimmt“, berichten Insider.

Ärger gab es auch zwischen Steinbach und dem ehemaligen Direktor der von Steinbach geleiteten „Forschungsstelle Widerstand“. Rolf-Ulrich Kunze war zu Jahresbeginn weg vom historischen Seminar an das soziologische Institut der Uni versetzt worden. Steinbach wirft Kunze gegenüber dem Tagesspiegel Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung der Forschungsstelle vor, was dieser zurückweist: Weder habe er die Anstellung seiner Ehefrau an der Forschungsstelle veranlasst, noch sei diese dort überhaupt beschäftigt gewesen.

Auslöser der Auseinandersetzung sei vielmehr die Kontroverse mit Steinbach über die Fortführung des „Forschungsprojekts Badische Theologen im Dritten Reich“ gewesen, eines Gemeinschaftsunternehmens der Uni Karlsruhe und Marburg, das zu Jahresbeginn eingestellt wurde – wohl nicht ohne Steinbachs Zutun. Gleitsmann wiederum, der Steinbach zufolge seine Teilnahme an der Evaluation der Geschichtswissenschaft in Karlsruhe im Januar mutwillig verweigert habe, machte für sein Fernbleiben schwerwiegende familiäre Gründe geltend.

Derweilen versucht der Rektor der Kalrsruher Universität, Horst Hippler, die Wogen zu glätten. Hippler spricht von einem „Neuanfang“ und warnt davor, „schmutzige Wäsche zu waschen“. Gleitsmann allerdings sieht in der Politik des Rektors vor allem den Versuch der Schadensbegrenzung.

Die Überlegung, nach Steinbach auch ihn in Karlsruhe loszuwerden, geht maßgeblich auf Hipplers Initiative zurück. Dabei würden mit dem Weggang Gleitsmanns, der sich als Technikhistoriker profiliert hat, gleich fünf Professorenstellen am historischen Seminar in Karlsruhe vakant. Allerdings ist über Gleitsmanns Zukunft noch nicht das letzte Wort gesprochen: Ein Gespräch zwischen ihm und Hippler am Freitagabend brachte kein endgültiges Ergebnis, Gleitsmann selber bekräftigte, „Karlsruhe liege ihm nach wie vor am Herzen“.

Polemische Stimmen aus der Fakultät, die Steinbach Unduldsamkeit und „Machtgelüste“ vorwerfen, kontrastieren mit seiner Beliebtheit bei vielen seiner Studenten – was im Übrigen auch für Gleitsmann gilt. Steinbach sieht sich als Opfer einer Verleumdungskampagne und überlegt, rechtlich gegen Karlsruhe vorzugehen – ein nach Meinung Hipplers „aussichtsloses“ Unterfangen. Er habe, so Steinbach, für eine „transparente Uni“ kämpfen wollen, sei aber auf „viel zu viele Leute“ gestoßen, „die sich kaufen lassen“. Der Universitätsbetrieb, so sein Resümee, erschöpfe sich zunehmend im „Ränkespiel von Intrigen und Verleumdungen“. Konstantin Sakkas

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