Kritik an der LMU München : „Berufung von Schavan ist ein Affront“

Die Universität München (LMU) steht wegen der Berufung von Annette Schavan in ihren Hochschulrat weiter in der Kritik. Neben dem Hochschulverband sind auch Unimitarbeiter entsetzt.

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Annette Schavan. Die Ex-Ministerin klagt gegen die Entscheidung, ihr den Doktortitel abzuerkennen.
Annette Schavan. Die Ex-Ministerin klagt gegen die Entscheidung, ihr den Doktortitel abzuerkennen.Foto: picture alliance / dpa

„Die Berufung von Frau Schavan in ein bedeutendes Leitungsamt einer Exzellenzuniversität widerspricht dem akademischen Comment und ist ein Affront gegenüber den Kollegen der Universität Düsseldorf“, schreibt der Deutsche Hochschulverband (DHV) in einer Stellungnahme. Führende Positionen in der Wissenschaft könnten „nur diejenigen übernehmen, deren akademische Integrität außer Zweifel ist“. Der Ulmer CDU-Bundestagsabgeordneten und früheren Bundesforschungsministerin war der Doktortitel von der Universität Düsseldorf wegen „vorsätzlicher Täuschung“ in ihrer Doktorarbeit aberkannt worden. Der DHV vertritt als Berufsverband die Lehrenden an Universitäten. Gegen die Aberkennung ihres Titels klagt Schavan vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf.

„Momentan ist sie eine überführte Plagiatorin“, sagt DHV-Sprecher Matthias Jaroch, „ihr Fall ist in der Schwebe.“ Deshalb wäre es für die Uni München geboten gewesen, den Ausgang des Gerichtsverfahrens abzuwarten. LMU-Präsident Bernd Huber hatte Schavan als „eine der erfahrensten Wissenschaftspolitikerinnen“ gewürdigt. Er schlug sie dem Senat als neues Mitglied des Hochschulrates vor, dieser stimmte zu, ebenso das bayerische Wissenschaftsministerium. Der Hochschulrat soll die Universität kontrollieren und sie bei Zukunftsstrategien beraten. In der vergangenen Woche kam aus der Landtagsopposition scharfe Kritik an der Entscheidung. Als ein „völlig falsches Signal“ wertete die SPD-Abgeordnete Isabell Zacharias die Wahl. Das jetzt von Ludwig Spaenle (CSU) geführte Wissenschaftsministerium teilt auf Anfrage mit, dass ihm weiterhin „gute wissenschaftliche Qualität ein zentrales Anliegen“ sei.

LMU-Präsident Huber war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, er war auf Dienstreise in China. Theodor Fall, einer der beiden studentischen Vertreter im Senat, hält die Entscheidung für Schavan weiterhin für richtig. Sie sei von großer Bedeutung für die Universität, wenngleich man die Problematik durchaus gesehen habe. Auf die Frage, was passiert, wenn das Verwaltungsgericht Düsseldorf den Titelentzug bestätigt, meint er: „Diese Frage stellt sich momentan nicht.“

Derweil gibt es ein anonymes Schreiben von wissenschaftlichen Mitarbeitern der LMU, in dem diese „Fassungslosigkeit und Empörung“ äußern. Es stoße auf „allgemeines Unverständnis“, dass die LMU „durch die Berufung einer wissenschaftlich dermaßen diskreditierten Person den eigenen Ruf im In- und Ausland aufs Spiel setzt“. Aus dem Senat war zu hören, dass man ein Ende des Rechtsstreits auch deshalb nicht abwarten wollte, „weil sich der Fall vor Gericht womöglich über Jahre hinzieht“. Es habe die Sorge bestanden, dass sich Schavan an einer anderen Universität engagieren könnte.

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